Schloss

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Zeichung von Jakob Zollinger Gossau

Schloss Wetzikon allgemeine Informationen[Bearbeiten]

1044 Erstmals wird der Begriff «Freiherren von Wetzikon», auf die Stufe von ritterlichen Dienstleuten abgesunken, historisch erwähnt als «drei Edle von Wezinchova».[1]

1235 Als erster sicher nachweisbarer Vertreter des freiherrlichen Geschlechtes von Wetzikon gilt der zwischen 1229 und 1268 häufig erwähnte Ulrich von Wetzikon. Ulrich war einer der Freiherren, die sich in Abhängigkeit von Grafen und Herzögen begaben, ihre Gutsbetriebe nicht mehr selber bewirtschafteten und die Abgaben der Bauern durch sogenannte Meier einziehen liessen.[2][3]

1258 Das Kirchdorf und die «Burg Wetzikon» trugen im frühen Mittelalter den Namen «Ratpoldskilch». Die Freiherren von Wetzikon trugen als Schildvettern sowohl der Freien von Kempten als der Thurgauer von Matzingen, das gleiche Schild, verkehrten häufig mit dem Grafen von Rapperswil. Das Geschlecht – Freiherren von Wetzikon - erlosch 1298 mit Elisabeth, der Äbtissin des Fraumünsters.[4]

1270 Elisabeth von Wetzikon (*1235 †1298) war eine Tochter von Ulrich, regierte von 1270 – 1298 als Fraumünsteräbtissin; ihr war - als Äbtissin des Fraumünsterklosters - die gräfliche Gerichtsbarkeit unmittelbar unterstellt. Nicht seelsorgerischen Aufgaben, sondern politischen Herausforderungen stand sie bevor: Unter König Heinrich III war ihr das städtische Münz-, Zoll- und Markrecht unterstellt.- Bei Umbauten im Querschiff des Fraumünsters war es Elisabeth, welche der voll entwickelten gotischen Kunst in Zürich Einlass gewährte.[5][6][7]

1300 Nach dem Tode König Rudolfs von Habsburg nahmen österreichische Dienstleute (die Ebersberger) Wetzikon zu Lehen, obwohl rechtens das Kloster St. Gallen Obereigentümer war. – 1378 bezeugt Herzog Leopold von Österreich, dass «sein getreuer Peter von Ebersberg die Mitgift seiner Gemahlin, Anna von Utzigen, 300 Mark Silber, in die Egg und Burg zu Wetzikon bis an den Brunnen hinter dem Turm, versetzt habe.»[8]

1315 / 1407 «Das Zürcher Oberland bot dem Landadel erstaunlich lange Refugium», so zitiert der freischaffende Winterthurer Historiker Peter Niederhauser spätmittelalterliche Zustände im Zürcher Oberland. Neben den Landenbergern lebten hier die Herren von Bonstetten, Langenhard, Hofstetten, Ottikon, Hettlingen, Kempten und weitere. Sie alle profitierten von der Herrschaft der Habsburger, die ihren Einfluss bis 1300 auszuweiten suchten. Adelsgeschlechter verarmten, andere bereicherten sich unter habsburgischer Herrschaft. Morgarten wurde zum Wendepunkt. - Verena von Ebersberg begab sich mit Burgrechtsbrief vom 2. September 1407, mit ihren Burgen von Weisslingen und Wetzikon unter den Schirm Zürichs.[9]

1430 Nach dem Erlöschen der Freiherren von Wetzikon kam das Schloss um 1430 nach mehreren Handänderungen in den Besitz der Familie Breitlandenberg.[10]

1443 Verlor Albert von Breitlandenberg auf Wetzikon in Freienbach auf Seiten der Zürcher sein Leben im Kampf gegen die Schwyzer und Glarner.[11]

1493 Burg Wetzikon

1500 Die vermutlich älteste, um ca. 1500 entstandene Ansicht der Burg Wetzikon zeigt einen Gebäudekomplex, bestehend aus zwei untereinander mit einer Brücke verbundenen Türmen.[12]

1526 Ging das Schloss Wetzikon in den Besitz des reichen Bauern Heini Weber von Egg über.[13]

1581 Kauf des Schlosses Wetzikon durch den Gerichtsherrn Marx Escher von Zürich.[14]

1582 Kauf des Schlosses durch Beat Hirzel.[15]

1586 Im Landesmuseum Zürich befindet sich ein beschriftetes Waffeleisen von 1586, das damals im Schloss Wetzikon gebraucht wurde: «Dem Armen gib din Spiss und Trank, von Gott wirst haben grossen Dank».[16]

1598 Kauf des Schlosses Wetzikon durch Hans Heinrich Zoller.[17]

1614 Unter Junker Hans Rudolf von Meiss erfuhr die Burg eine durchgreifende Änderung: Aus der trutzigen Burg wurde eine wohnlicher Edelsitz. Der offene Raum zwischen den Türmen wurde ausgebaut, der Verbindungsbau unter einem Dachfirst vereinigt. Ab 1606 bis 1755 gehörte das Schloss der Zürcher Familie von Meiss. Etwa um diese Zeit dürfte das Salzhaus, das zum Schloss gehörende spätere Lehenhaus erbaut worden sein. Südseits des Schlosses befand sich die grosse Linde, unter der sich während Jahrhunderten die Einwohner zu Gerichts- und Gemeindeversammlungen einfanden. (Sie wurde am 11. Juni 1952 gefällt).[18][19]

1617 Im Erdgeschosskorridor findet sich ein Türsturz mit Allianzwappen A.M.V.V. (Anna Marias von Ulm – der Gattin von Hans Rudolf von Meiss) - dat. 1617, das Wappen des Geschlechtes Meiss (H.R.M), ebenso ein Renaissance-Buffet, dat. 1618, sowie ein in die Mauer eingelassener Schrank mit Renaissance-Verzierung.[20]

1740 Nach einem Stich von David Herrliberger (*1697 †1777) dominiert das Schloss Wetzikon in einer nahezu häuserleeren Umgebung. Das Schloss Wetzikon wird von 8 oder mehr dreisten Dieben heimgesucht. Die landvögtliche Kanzlei Grüningen veröffentlicht dank eines Gefassten Signalemente der gesuchten «Thurgauer» und «Bayern», bunt beschrieben von krausem Haar, Häubchen (bei den Frauen) bis zu den Camisolen und farbigen Leibli. Ein Sucherfolg bleibt nicht nachweisbar. Die Edlen von Wetzikon hatten ihre Burg im Tale erbauen müssen, ihr gerichtsherrliches Gebiet umfasste weder steile Hügel noch Berge. Sie hoben deshalb am nördlichen Ende der Egg, dem sogenannten Vogelherd, einen tiefen Einschnitt aus, um auf diese Art einen allseits freistehenden Hügel zu erhalten; die Burg stand auf dieser etwa 56 m langen und 26,5 m breiten Erhebung. Zur Sicherheit war sie von einem tief eingeschnittenen ovalen Graben umgeben, der durch das Hineinströmen des in unmittelbarer Nähe vorbei fliessenden Ettenhauserbaches innert weniger Stunden in einen gefährlichen Teich verwandelt werden konnte.[21][22]

Stich von Conr. Nözli in Topographie David Herrliberger

1755 Nächste Eigentümer des Schlosses waren (für 17'000 Gulden) Glockengiesser Jakob Koller, zwei Jahre später folgte Hans Heinrich Grob. – Durch ein grosses Tor gelangte man in den Schlosshof, der mit Mauern (mit Schiessscharten) umgeben einige kleine Gärtchen umschliesst, daneben das Salzhaus. Im viergeschossigen Schlossturm befanden sich Wein- und Vorratskeller, Gefängnisse; im zweiten Geschoss Küche und etliche Wohnräume. Über eine Wendeltreppe gelangte man im dritten Geschoss zum Rittersaal mit dickem eichenem Gebälk.[23]

© Kartensammlung Zentralbibliothek Zürich, Datierung 1773

1798 Durch die Staatsumwälzung erlosch 1798 auch die Wetziker Gerichtsherrlichkeit. Napoleonische Turbulenzen wirkten sich bis ins Zürcher Oberland aus.[24]

1815 Seit 1815 gehörte das Schloss Hauptmann Heinrich Vollenweider zu Wetzikon, der es 1823 an Frédéric Nagel aus Paris - «Inhaber der kaiserlichen französischen St.-Helena-Medaille» - veräusserte.[25]

1823 Nagel brach den markanten Ostturm ab, verkaufte die Steine für den Bau der Spinnerei Stegen in der Schönau und legte dort einen Garten an. – Der das Schloss umgebende Wassergraben muss eine enorme Tiefe gehabt haben; dort hinein wurde der Bauschutt des abgebrochenen Turmes abgelagert.- Nach Nagel’s Konkurs, 1839, bemühten sich seine Verwandten um das Gebäude, 1865 ging es in den Besitz von Heinrich Homberger, Mönchaltorf, über.[26]

1907 Ab diesem Jahr befindet sich das Schloss im Privatbesitz der Familie Meier. - «Dieser Tage ist das nach Wegzug der Firma Homberger & Co. käuflich gewordene Schloss in den Besitz von Herrn Architekt Meier (40'000 Fr.) übergegangen. Wir freuen uns aufrichtig darüber, dass der ehrwürdige Bau mit der uralten Linde am Schlossgraben seinen künftigen Liebhaber gefunden hat. Dank eines generösen Anerbietens des neuen Schlossherrn wird die hiesige Antiquarische Gesellschaft dazu kommen, ihre wertvolle Sammlung in einem geräumigen Saale des Schlosses unterzubringen. Der Pfauenofen im Schloss ist vor drei Jahren an Herrn Antiquar Messikommer um 10'000 Fr. verkauft und in einem Privathaus in Zürich aufgestellt worden.»[27]

Schloss und Schlosslinde ca. 1930

1952 Am 11. Juni wird die mächtige Linde vor dem Schloss, deren dichte Äste weit über (über das einstige Tramgeleise und) die Bahnhofstrasse ragten, wegen Krankheit gefällt.[28]

Die Linde wird gefällt, 1952

1989 Eine Oberländer Wandergruppe trifft zufällig im Calancatal, hoch oben über Arvigo, eine schweizerdeutsch sprechende Bäuerin, welche erst Architektin, dann Hochbauzeichnerin werden wollte, ehe sie ein Bauernlehrjahr im Welschland absolvierte, hernach im Strickhof den Ausweis für eidg. dipl. Landwirtin erwarb, einen Bauern und Seilbahnangestellten heiratete, Mutter von zwei Kindern wurde, 40 Stück Vieh und Ziegen betreute und täglich 400 Liter Milch verarbeitete, u.a als Spezialität formaggini. Frau Agnes Berta-Meier setzt sich als Gemeinderätin für die Entwicklung ihrer Gemeinde Braggio ein. Niemand würde ahnen, dass sie als Agnes Meier ihre Jugend im Schloss Wetzikon verbrachte.[29]

1991 Die Fassade des Schlosses wird renoviert. An die Arbeiten gewähren sowohl die Gemeinde wie der Kanton Zürich (Denkmalfonds) Kredite. – Über dem profilierten Renaissance-Portal sind noch das Wappenpaar von Meiss und von Ulm zu erkennen, gleiche Allianzwappen von 1617 sind im Erdgeschoss und an zwei spätgotischen Fenstersäulen erkennbar. 2002 nochmalige Fassadenrenovation.[30]

  • Zusammenfassung von Josef Lauber im Oktober 2007 für das Archiv Ortsgeschichte

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Zeller Werdmüller, Zürcherische Burgen 1+2
  • Kunstdenkmäler des Kanton Zürich
  • Felix Meier Geschichte der Gemeinde Wetzikon
  • Chronik Kanton Zürich, Bezirk Hinwil, 1961, Seiten 74-87

Ansichtskarten[Bearbeiten]

Dias[Bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten]

Fotos[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufzeichnungen Jakob Streuli, Historiker
  2. Der Freisinnige 25. August 1956
  3. Heimatspiegel Nr. 4/April 1985: Das Schloss Wetzikon. Neues von Bewohnern und Baugeschichte. Autor: Dr. Jakob Streuli.
  4. Zürcher Burgen, Antiquarische Gesellschaft, Band 23
  5. Heimatspiegel Nr. 4/April 1985: Das Schloss Wetzikon. Neues von Bewohnern und Baugeschichte. Autor: Dr. Jakob Streuli.
  6. Der Freisinnige, 22. Januar 1955
  7. Karl Stokar: Elisabeth von Wetzikon, Aebtissin am Fraumünsterer 1270 – 1298
  8. Heimatspiegel Nr. 4/April 1985: Das Schloss Wetzikon. Neues von Bewohnern und Baugeschichte. Autor: Dr. Jakob Streuli.
  9. Nr. 10/Oktober 2003. Adlige «Leut mit kleinem Pracht». Die Herren von Hettlingen zu Weisslingen zwischen Dorf, Stadt und Fürstenhof. Autor: Peter Niederhäuser, Historiker, Winterthur
  10. Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Zürich, Band 2, Seite 252
  11. Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Zürich, Band 2, Seite 252
  12. ZO 15. August 1964
  13. Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Zürich, Band 2, Seite 252
  14. Staatsarchiv Zürich, Wetzikon E III 139.1
  15. Staatsarchiv Zürich, Wetzikon E III 139.1
  16. Hedinger, Seite 48
  17. Staatsarchiv Zürich, Wetzikon E III 139.1
  18. Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Band 4 Seite 130
  19. Heimatspiegel 12/1991, Photo um 1935 von G. Honegger, Tann
  20. Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  21. Heimatspiegel 4/1985
  22. Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Band 4 Seite 130
  23. Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Band 4 Seite 130
  24. Zürcher Woche, Dezember 1961
  25. Kunstdenkmäler der Schweiz, Kanton Zürich, Band 2, Seite 252
  26. Zürcher Woche, Dezember 1961 Jakob Streuli, Historiker
  27. Handschriftliche Notiz in deutscher Schrift, Chronik von Wetzikon 1907
  28. Heimatspiegel 12/1991, Photo um 1935 von G. Honegger, Tann
  29. ZO 16. August 1989
  30. Anzeiger von Uster 31. Juli 1991 Fotobelege