Hans Georg Nägeli

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Hans Georg Nägeli (*26. Mai 1773 in Wetzikon; † 26. Dezember 1836 in Zürich). Der Zürcher Sängervater war Musiker, Musikhändler, Musikerzieher, Philosoph und Politiker. Er wohnte im Pfarrhaus an der Usterstrasse 8.

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Leben

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1773 Am 26. Mai wird Hans Georg Nägeli als 4. Sohn des Pfarrers Hans Jakob Nägeli im Pfarrhaus in Wetzikon geboren. Das musikalische Milieu in seiner Familie prägt ihn sehr. Er hat etwas von einem Wunderkind, spielt er doch schon mit 8 Jahren schwierige Sonaten und leitet als 10-jähriger sogar Übungen des Kirchengesangvereins.

Pfarrhaus Usterstrasse 8 Zeichnung von Hans Künzi

1786 Mit 13 Jahren wird Hans Georg Nägeli von seinem Vater in die Stadt Zürich zu seinem älteren Bruder Thomas geschickt, um sich in der lateinischen Sprache weiterbilden zu können. Nach 1 1/2 Jahren kehrt er vom Heimweh getrieben wieder nach Wetzikon zurück. Sein Vater unterrichtet ihn weiter und bringt ihm die Grundzüge humanistischer Bildung bei.

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1790 Kurz nach der Konfirmation zieht der 17-Jährige dann doch nach Zürich, um sich ganz der Musik zu widmen. Beim angesehenen deutschen Pianisten Brüning lernt er das Komponieren und vertieft sich in die damals fast unbekannten Werke von J. S. Bach, was für ihn später wegweisend wird.

1791 Anfangs Januar eröffnet er mit einem von seinem Vater erbetenen Anfangskapital von 140 Gulden im Steinhaus an der Augustinergasse eine Musikalienhandlung, die bald zu einem Verlag erweitert wird und zugleich die Pflichten einer Leihbibliothek erfüllt. In 10 Jahren erwirbt er ein Kapital von 20 000 Gulden und pflegt Beziehungen zu fast sämtlichen Musikhäusern in Deutschland und Österreich, er hat sogar mit Paris, London, Kopenhagen und Italien Verbindungen angeknüpft.

1801 bis 1807 Das Geschäft erlebt eine Blütezeit. Nägelis Publikationen machen ihn in ganz Europa bekannt. Das als Lied vertonte Gedicht von Johann Martin Usteri «Freut euch des Lebens» erfreut sich heute noch grosser Beliebtheit. Er verlegt Werke von J.S. Bach, Clementi und sogar Beethoven.

1805 Gründet Nägeli die Singgesellschaft in Zürich (mit einem gemischten Chor mit etwa 30 Mitgliedern, einem Töchterchor und einer Abteilung für Kinder). Viele sehen seine Hauptleistung in der Förderung des Chorgesanges, für welche er seine einfachen zwei- und dreistimmigen Lieder schreibt, davon über 700 mit Klavierbegleitung. Auf die Singgesellschaft folgt der gemischte Chor erwachsener Männer und Frauen, und schliesslich erfindet er den vierstimmigen Männerchorgesang, komponiert aber auch für reinen Frauenchor. Mit diesen Chören führt er unter anderem Oratorien von Hayden, Mändels «Messias» und Mozarts «Requiem» auf. Im Sommer vermählt er sich mit Elisabeth (Lisette) Rahn, der Tochter eines Buchbinders, die ihm später sechs Kinder schenkte.

1807 Der frühere Erfolg ist nicht von Dauer. Die Geschäfte gehen schlecht . Die ausländischen Beziehungen sind durch die Kriegszüge Napoleons erschwert. Ein Bankrott kann nur durch das Abtreten des Geschäftes an den Hauptgläubiger, Pfarrer J.C. Hug abgewendet werden.

1810 Veröffentlicht Nägeli auf Pestalozzis Wunsch eine Gesangsbildungslehre, die auch im Ausland grossen Erfolg hat. Die Universität Bonn verleiht ihm dafür den Ehren-Doktor-Titel.

1815 Bewirbt sich Nägeli um eine Kantorenstelle an der Bürgerschule. Da er in der eigenen Stadt weniger gilt, muss der international bekannte Musiker sogar ein Examen machen!

1823 Entsteht, wie an vielen Orten in der Schweiz nach Nägelis Beispiel, in Wetzikon der Sängerverein.

1830 Verfasst Hans Georg Nägeli ein pädagogisches Memorial. Es beruht auf dem Grundgedanken, dass nur ein gebildetes, unterrichtetes Volk der Freiheit fähig sei.

1831 Erfolgt seine Wahl in den Erziehungsrat. Als sein neues Schulgesangbuch für die Schulen des Kantons Zürich vom Erziehungsrat zu prüfen ist, sagt er mit starken Selbstwertgefühl: «Ich kenne in der ehrenwerten Behörde nur drei, die über diese Frage eine richtige Meinung haben können: diese drei sind der Hans, der Georg und der Nägeli.»

1835 Wird er von den Zürchern auch noch in den Grossen Rat gewählt.

1836 Am 26. Dezember stirbt Hans Georg Nägeli in Zürich.

1848 Am 16. Oktober wird auf der Hohen Promenade in Zürich feierlich ein Denkmal eingeweiht: eine Porträt-Büste mit der Inschrift «Dem Vater Nägeli die schweizerischen Gesangvereine».

Büste an der Südmauer der Reformierten Kirche Wetzikon

1945 Als Schenkung des Stadtrates von Zürich wird am 27. Mai die im Hofe der Zentralbibliothek Zürich aufgestellt gewesene Originalbüste des Sängervaters Hans Georg Nägeli bei der Reformierten Kirche in Wetzikon eingeweiht. Am reformierten Pfarrhaus, Usterstrasse 8 ist eine Tafel angebracht, auf der zu lesen ist, dass sich hier sein Geburtshaus befindet.

1972 Zum Andenken an den Zürcher Sängervater hat Otto Charles Bänninger eine Goldmedaille mit den Kopf von Hans Georg Nägeli kreiert, die vom Zürcher Stadtrat zur Auszeichnung besonderer Verdienste um das musikalische Schaffen verliehen wird.


Spezielles

  • Im Lehrerzimmer des Schulhauses Guldisloo befindet sich ein Bild von Hans Georg Nägeli, 1945 von einem Emigranten gemalt. (Standort momentan unbekannt)
  • Im Ortsmuseum ist eine Nägeli-Stube eingerichtet mit Möbeln von ihm. Dort befinden sich nebst Originalbriefen auch grosse Singhefte.
  • Pro Juventute gibt im Jahr 1936 ein 5 Rp.-Marke mit dem Portrait von Hans-Georg Nägeli heraus.



Fotos, Illustrationen


Audio

  • Schallplatte Harfenmusik Nägelis gespielt von Emmy Hürlimann u.a. Jecklin
  • Kassette Konzert in Zürich, 1973


Literatur

  • 1838 Zürcher Neujahrsblatt von Hans Conrad Ott-Usteri
  • 1882 bedeutendste Nachfolger, von Hch. Weber
  • 1937 Der junge Hans Georg Nägeli, Briefe von Rud. Hunziker
  • 1943 Lieder in Faksimile, Nachwort Georg Walter
  • 1955 + 1962 Briefwechsel mit Xaver Schnyder v. Wartensee
  • Broschüre zur Zweihundertjahrfeier von Hans Georg Nägeli
  • Im Kirchengesangbuch Seite 91 «Herr, der du mir das Leben», Seite 127 «Die heiligste der Nächte»
  • Geschichte der Gemeinde Wetzikon Felix Meier, Seite 538


Fotos


Weblinks