Kohlenbergwerk Schöneich

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Kohlenbergwerk Schöneich, allgemeine Informationen

Im Juli 1858 fand man beim Bau der Eisenbahnlinie Uster - Rapperswil im Gebiet Schöneich braunschwarzes schweres Gestein. Der damalige Schulpfleger Homberger aus Unterwetzikon holte sich Rat bei Jakob Messikommer, der sofort Bescheid wusste, und feststellte, dass da Kohle gefunden wurde. Unter der Leitung von Jakob Messikommer lässt die Zürcher Regierung ab Ende Juli 1858 Schürfarbeiten vornehmen.

Es wurden 16 Schächte abgetäuft und die Untersuchungen schritten voran. Am 28.August 1858 schrieb der «Allmann» : Die Arbeiten, die seit einiger Zeit durch Vermittlung von Herrn Bergrath Stocker - Escher durch die Finanzdirektion zur Aufsuchung von Schieferkohlen in der Schöneich - Wetzikon vorgenommen wurden, sind mit Erfolg gekrönt worden. Nachdem letzter Tage Tag und Nacht geschafft wurde, kam man letzten Sonntag Abends auf ein 5 Fuss mächtiges Lager.

Doch man hatte sich zu früh gefreut. Es erwiesen sich nur zwei Schürfstellen als abbauwürdig. Da auch noch starker Wasserdruck herrschte, musste auf weitere Schürfungen verzichtet werden. Ein Trost für Jakob Messikommer war, dass er bei den Sondierungsarbeiten östlich des äusseren Bauernhauses im Weidli auf ein alemannisches Grab gestossen war.

Grubenplan Kohlemine Schöneich (Original im Ortsmuseum)

Weitere Untersuchungen und Abbau

Im Mai 1862 wagten Ferdinand Bertschinger, Fischenthal und Jakob Tuggener, Zürich eine Wiederaufnahme des vor vier Jahren eingestellten Schürfbetriebes in der Schöneich. Sie gründeten eine Firma und liessen sich im Grundbuch eintragen und sicherten sich allfällige Kohlevorkommen bis weit nach Unterwetzikon. Das Servitut lautete «Die Ausbeutung der allfälligen in obigem Grundstück vorhandenen Schieferkohle haben sich die Herren Ferdinand Bertschinger und Jakob Tuggener, Besitzer der Kohlengruben Schöneich - Wetzikon für alle Zukunft vorbehalten.»

Heinrich Jucker, Vorarbeiter im Kohlenbergwerk Bertschinger

Nachdem die Konzession erteilt war, machte sich die Bergbau Firma Bertschinger&Tuggener aus Fischenthal an den Bau eines Maschinenhauses und trieb einen Förderschacht ab. Wiederum musste man gegen den Wasserdruck ankämpfen. Es kam zu mehreren gefährlichen Wassereinbrüchen. Mit einer Dampfpumpe wurde versucht die Wassermassen abzuziehen. Für die Belüftung sorgte ein Ventilator und später besondere Luftschächte.

Im Jahre 1866 war der Höhepunkt des Kohlenabbaus erreicht. Das Grubenfeld erreichte mittlerweile eine Ausdehnung von 5.5 Hektaren. Es erstreckt sich auf einer Länge von 500 m vom Restaurant Schöneich bis 200 m südlich des äussersten Bauernhofes von Karl Fahrni. Eine Rollbahn führte die Kohlenbrocken durch den Förderstollen zum Förderschacht. Das rauchgeschwärzte Maschinenhaus und der qualmende Hochkamin war das Wahrzeichen des ganzen Quartiers. Zu den besten Zeiten förderten die Bergwerksleute täglich 16,5 Tonnen Schieferkohle zu Tage. Jenseits der Bahnlinie an der Grubenstrasse thronte das Backsteinschlösschen des Bergwerkunternehmers.

Erbaut 1869

Das Ende der Kohlenmine

Im Jahre 1878 neigte sich das Kohlevorkommen in der Schöneich dem Ende entgegen. Der Wetziker Kohleboom endete mit dem Suizid des Minenbesitzers Ferdinand Bertschinger tragisch.[1]

1967

1918 zog man eine Wiederaufnahme der Schürfungen in Betracht, musste aber entmutigt feststellen, dass der ganze ehemalige Grubenbereich unter Wasser stand. Im Jahre 1942 stellte man unmittelbar westlich des alten Grubenbezirks einen Kohlenflöz von 1.05 m Mächtigkeit fest. Es wurde allerdings kein weiterer Abbau mehr vorgenommen.
Im Jahr 2012 zeugt nur noch der Strassenname «Grubenstrasse» und das Backsteinschlösschen des Grubenbesitzers Bertschinger an der Grubenstrasse 34 von der Bergwerkszeit. Das ehemalige Abbaugebiet liegt nun in der geschützten Freihaltezone des Bundesinventars der geschützten Landschafts und Kulturdenkmäler.[2]

Lithographie

Ortsmuseum

Im Ortsmuseum Wetzikon finden sich noch einige Gegenstände aus jener Zeit, u.a. ein Grubenlämpchen aus Ettenhausen.[3]

Literatur

  • Heimatspiegel 10/1967; Das ehemalige Kohlenbergwerk in der Schöneich. Autor: Jakob Zollinger, Gossau ZH.
  • Heimatspiegel 8/1980; Die «Kohle des armen Mannes» (Torfgewinnung)
  • Eine Landschaft und ihr Leben: das Zürcher Oberland von Bernhard Nievergelt, Hansruedi Wildermuth ISBN 3728126896
  • Pdficon.gif Zürcher Oberlander, 4. Januar 2012 «Wetzikons versunkenes Kohlebergwerk», Autor: Michael von Ledebur

Akten im Archiv Ortsgeschichte

  • Pläne Profile der Probeschächte und Situationsplan 1:1000
  • Entwurf Schürkonzession 1942
  • Dokument über eine Schürfbohrung der Steinwerkzeugfabrik Embrach AG
  • Plan 22.7.1942
  • Plan Kohlenbergwerk Schöneich 1862-1878 (1909 von Emil Meier angefertigt)
  • Diverse Korrespondenz einer erneuten Schieferkohlen-Ausbeute Schöneich 1942-1945
  • Literatur und diverse Zeitungsartikel, u.a. Schweizerische Bauzeitung 3.10.1942 und Zürichsee Schreibmappe 1942 Bergwerk Gottshalden Käfpnach

Weblinks

Karte Kohle Schöneich map.geo.admin (abgerufen am 22.8.2012)

Einzelnachweise

  1. zol.ch/bezirk-hinwil/wetzikon/Wetzikon-war-einst-eine-Bergwerksstadt-/story/13616158
  2. kulturdetektive.ch/cms/media/pdf/contents_de/Heimi_April_2012-1_klein.pdf
  3. Heimatspiegel 10/1967, Autor: Jakob Zollinger Gossau