Spitalstrasse 210

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2017
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Flurbezeichnung

  • Wigarten, Weingarten, auch Wygarte (Flurbezeichnung Wigarten[1]). Eine Erklärung zur Hofbezeichnung ist noch nicht gefunden. Auf älteren Karten, wie zum Beispiel eine Strassenkarte von 1922 sowie im Buch Geschichte der Gemeinde Wetzikon von Felix Meier wird die Flurzbezeichnung „Weingarten“ verwendet.[2]
1973

Würdigung

Beim mächtigen freistehenden Vielzweckhaus aus dem 18. Jahrhundert handelt es sich wohl um das historisch authentischste Bauernhaus über die Grenzen Wetzikon hinaus. Von den vielen erhaltenen, wertvollen Konstruktions- und Ausstattungsbestandteilen seien hier nur die Fallädenfront an der hinteren Trauf-Fassade oder die Küche mit Eisenherd und Sechtöfen erwähnt. Wirtschaftsgeschichtlich interessant ist ferner der Quergiebelanbau gegen die Strasse, welcher anfangs des 19. Jahrhunderts als Schlossereiwerkstätte vermerkt ist, gegen die Jahrhundertwende zum Webereilokal umfunktioniert und zuletzt als Hausmetzgerei genutzt wurde.[3]

Baubeschreibung

Der Baukomplex besteht aus einem älteren Vielzweckbauernhaus mit Wohnteil, Scheune und Stall unter durchgehendem First, einem Scheunenanbau als leicht gebrochene Fortsetzung des Firsts sowie einem strassenseitigen Quergiebelanbau an den Wohnteil.[3]

Zeichnung Emil Hasler

Chronolgie

1762 Steht als Baujahr auf der Lukarne, die Denkmalpflege schreibt im Inventar „Kern 1782“.

1813 Eingetragen als a) Wohnhaus, b) Scheune und Trotten, diese 1832 als Scheune und Stall.[4]

Ende 19. Jahrhundert Der Queranbau ist eingetragen als Webereilokal mit Zimmern (später Waschhaus).[4]

Vor der Sanierung 1963

1963 Die südliche Giebelfront des Wohnhauses wird renoviert, von der Denkmalpflege als missglückt beurteilt.[4]

Infotafel Kulturgüterschutz: Das typische Bauernhaus

70er Jahre Die östliche Traufseite ist noch im ursprünglichen Zustand: Sichtbare alte Riegel, Kettenfenster mit Schiebeläden (verzierte Rahmen), Spuren von Bemalung. Vordach mit den alten Flugpfettenstützen. Schöner Dachaufbau mit sichtbarem Riegelwerk, in den Riegelfeldern gemalt: Initialen und Jahrzahl „HHW 1762“.[4]

1983 Die Erben des Adolf Schneider (†20.November 1953) bieten der Gemeinde den Kauf des landwirtschaftlichen Heimwesens „Wigarten“ an der Spitalstrasse mit ca. 60'467 m2 Wiesland, ca. 6'140 m2 Wald und ca. 8'550 m2 Streueland an. Die Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 1986 bewilligt den Kauf zum Preis von 4'480'693 Franken. Die bestehenden Pachtverhältnisse werden übernommen.[5]

1998 Wird das Objekt in das Ortsbildschutzinventar aufgenommen.[6]

1999 Die Gemeindeversammlung vom 14. Dezember ermächtigt die Gemeinde zum Verkauf des Objektes mit Umschwung, befristet bis Ende 2001.[7]

2002 Mit Gemeinderatsbeschluss vom 30. Oktober wird das Objekt aus dem Schutzinventar entlassen.[6]

2003 Auf massiven Druck aus der Bevölkerung wird der Gemeinderatsbeschluss revidiert und das Objekt wieder in das Inventar aufgenommen.[6]

2006 Die Politische Gemeinde will als Eigentümerin den „Wigarten“ sowie die dazugehörigen landwirtschaftlich genutzten Grundstücke an den Verein Zürcher Eingliederung verkaufen. Der Verein will einen gewissen Teil landwirtschaftlich nutzen. Zudem soll eine Art Bistro oder Bäckerei entstehen.[8]

Die Gemeindeversammlung vom 26. September weist das Geschäft über den Landverkauf „Wigarten“ zu einem Preis von 1'896'902 Franken an den Verein Zürcher Eingliederung nach langer Diskussion zurück.[9]

2013 Am 3. Juli veräussert der Gemeinderat das Objekt für 1,15 Millionen Franken an die einfache Gesellschaft Nahraum. Diese verkauft sie zum gleichen Preis an die Ustermer Immobilienentwicklerin Beat Odinga AG. Hinter diesem Verkauf steht eine Familie, die im „Wigarten“ ein Familienzentrum einrichten will.[10]

Die Bevölkerung zeigt Unverständnis für den Verkauf. Auch die Grünliberalen kritisieren den Verkaufspreis von 1,15 Millionen Franken für das 3445 Quadratmeter grosse Areal in Kempten. Der Gemeinderat reagiert mit einer Pressemitteilung als Gegendarstellung zur Berichterstattung der Lokalzeitung.[11][12][13]

2014 Die Bauausschreibung erfolgt: Beat Odinga Promotions AG c/o Odinga und Hagen AG Uster, vertreten durch Baumgartner Partner Architekten AG, Winterthur, Neubau Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage. Die Adresse des Neubaus ist Schwalbenstrasse 2.[14]

2015 Kantonsrat Max Homberger (Grüne) blitzt mit Beschwerden gegen den Gemeinderat, wegen des Verkaufs der Liegenschaft, beim Bezirksrat und der Justizdirektion ab.[15]

Im März ist Baustart. In einem Zeitungsartikel äussert sich Beat Odinga zu den Umständen des Verkaufs.[16]

2017 Das umgebaute Bauernhaus wird am 26. Januar mit einem Fest eingeweiht. Der dreistöckige Anbau mit drei Zimmern wird vom Verein Nahraum gemietet. Elisabeth Dubach leitet zwei Montessori-Spielgruppen. Im oberen Stock ist ein Bed and Breakfast (B&B) mit zwei bis vier ausziehbaren Betten eingerichtet. Peter Ettler ist Co-Präsident des Vereins Nahraum Kempten. Der Verein will einen Ort schaffen für die Allgemeinheit, vorgesehen sind etwa Quartierfeste. Zudem können die Räume für verschiedene Anlässe gemietet werden.[17]

Seit Mitte September bieten Monika Bosshard und Astrid Fasching jeden ersten Dienstag im Monat im „Trauercafé Papillon“ Raum für Gespräche zum Thema Trauer.[18]

Spezielles

Während der Sanierung des Bauernhauses entdecken die Verantwortlichen in der Schlussphase Sommer 2016 beim Eingang einen Schriftzug unter der Farbe. Vorerst kann nicht genau entziffert werden, ob es „Zum Wy Garten“, „Zum Wi Garten“ oder „Zum Wein Garten“ heissen könnte. Mit Hilfe der kulturdetektive GmbH kann die Inschrift rekonstruiert werden. 2017 präsentiert sich der Schriftzug über der Türe folgendermassen: „Zum Wein Garten“[19][20]

Siehe auch

Verein Obstgarten

Obstgarten 2017

Auf dem Wygarte installiert der 2015 gegründete Obstgarten-Verein als Tochterverein des Naturschutzvereins Wetzikon- Seegräben einen vielfältigen, strukturreichen und fachgerecht gepflegten Hochstamm-Obstgarten. Verschiedene Obstarten von regionalen, seltenen und Spezialmostsorten wurden gepflanzt. Daneben ist eine ökologisch wertvolle Zurechnungsfläche (40a extensiv genutzte Wiesen und Hecken) integriert. Diverse Kleinstrukturen wie Totholz, Asthaufen, Steinriegel, Kopfweiden, Hecken, landschaftstypische Einzelbäume, strukturreicher Wassergraben, Trockensteinmauer, Wildbienen-Unterschlüpfe bzw. –Nistkasten sollen den Obstgarten ergänzen.[21]

Literatur

  • Zollinger Jakob, Hasler Emil: Zürcher Oberländer Riegelhäuser, Wetzikon 1972, DK 728

Fotos

Nach Umbau, ab 2017

Vor Umbau

Einzelnachweise

  1. GIS Stadt Wetzikon, aufgerufen am 1. Juli 2016
  2. Felix Meier: Geschichte der Gemeinde Wetzikon, Seite 616
  3. 3,0 3,1 Ortsbildschutzinventar Gemeinde Wetzikon 1997, Dr. Hans-Peter Bärtschi, ARIAS Winterthur
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Inventar Denkmalpflege 8/436, Kopie im Strassenarchiv, Archiv Ortsgeschichte
  5. Weisung Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 1986
  6. 6,0 6,1 6,2 Verkaufsdokumentation, Bauernhaus Spitalstrasse 210 Gemeinde Wetzikon, 2005
  7. Weisung Gemeindeversammlung 14. Dezember 1999
  8. Wetziker Spiegel, August 2006
  9. Zürcher Oberländer, 27. September 2006
  10. Zürcher Oberländer, 11. September 2013
  11. Zürcher Oberländer, 13. September 2013
  12. Gegendarstellung des Gemeinderats zur Berichterstattung im Zürcher Oberländer vom 11. September 2013
  13. Gemeinderat nimmt Stellung zum Liegenschaftenverkauf an der Spitalstrasse, regio 10. Oktober 2013
  14. Zürcher Oberländer, 31. Januar August 2014
  15. Zürcher Oberländer, 2. März 2015
  16. Zürcher Oberländer, 18. März 2015
  17. regio 26. Januar 2017
  18. regio 7. Dezember 2017
  19. Marc Zander, Baumgartner Partner Architekten AG, Winterthur, 1. Juli 2016
  20. Foto im Februar 2017
  21. https://www.birdlife-zuerich.ch/projekte-service/100xzuerinatur/projektliste/detail/projekt/obstgarten-wygarte-wetzikon, aufgerufen am 17. Februar 2017