Gubelmann & Cie.

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1902

Chronologie

1868 Am 4. August verkaufen die Geschwister Karl Hermann Alfred und Wilhelmina Julia Hedwig Stadtmann ca. 18 Aren Wiesen an der Strasse Medikon-Unterwetzikon an Gustav Tobler, Grundtal-Wetzikon und Hans-Heinrich Gubelmann, Unterwetzikon.[1]

Im selben Jahr bauen Bezirksrat Hans-Heinrich Gubelmann (*19. Januar 1806 in Unterwetzikon†17. Oktober 1879) - Anstoss hierfür gab vermutlich seine Heirat mit Margarethe Tobler (*1812†1879) - und Schwager Oberstleutnant Gustav Tobler (*1822†1893), die Baumwollweberei mit 68 mechanischen Baumwoll-Webstühlen. Anfänglich wurden nur Mousseline- und Percalegewebe hergestellt, die in der aufblühenden Sanktgallischen Stickereiindustrie ihre Abnehmer fanden. Durch die gute Geschäftsentwicklung konnte die Stuhlzahl fortlaufend erhöht werden, was den Ausbau und Anbau von weiteren Fabrikationsräumen und auch die Anschaffung von entsprechenden Vorwerkmaschinen erforderte.[2]

um 1900

1872 Am 13. Mai erwirbt Heinrich Gubelmann den Miteigentumsanteil des Gustav Tobler.[3]

1876 Baut Heinrich Gubelmann, nicht wie in jener Zeit üblich bei der Fabrik, sondern direkt gegenüber dem Bahnhof, heute Bahnhofstrasse 2, eine Villa mit umgebenden Park, die heute als kantonales Schutzobjekt eingestuft ist.[4]

Fabrikanlage Gubelmann, Zürcherstrasse 19-27

1879/1880 Durch Erbfolge und Erbteilung geht die Firma an Sohn Albert Gubelmann-Weber (*20. Mai 1845†5. Juli 1904).[5]Er war Schulpfleger, Präsident der Bankkommission der Schweizerischen Volksbank Wetzikon und bei vielen industriellen Unternehmungen beteiligt. Im Militär bekleidet er den Grad eines Stabshauptmanns der Verwaltungstruppen.[6]

1897-1898 Wird das landwirtschaftliche Gebäude im zeitgenössischen Historismus, mit starkem Heimatstil-Gepräge erstellt (heute Leutholdstrasse 5). Zu dieser Zeit wird der Betrieb auch von der Weberei Gubelmann getrennt und vom von Albert Gubelmanns ältestem Sohn, Theodor, übernommen. Auch nach dem Tode von Theodor Gubelmann wird der Landwirtschaftsbetrieb noch bis in die 70er-Jahre weitergeführt.[7]

Belegschaft um 1900

1904 Nach dem frühen Tod von Albert Gubelmann geht der Betrieb an seine 3 Söhne über:

  • Gustav Gubelmann, (*1879†1957) (wohnte in Villa Spitalstrasse 6 und muss schon mit 25 Jahren als gut ausgebildeter Webereifachmann das Steuer in die Hand nehmen).[8]
  • Werner Rudolf Gubelmann, (*1885†1948).
Gubelmann & Cie.

1910 Gelingt es den beiden Brüdern als erste Firma in der Schweiz den Artikel Voile herzustellen.[9]

1915-1917 Wird ein Fabrikgebäude erstellt für die in jenen Jahren neu geschaffenen Automaten-Webstühle Fabrikat „Rüti“ für Feingewebe (Baumwollfeingewebe, Voiles, Popelines, Façonnés, Kunstseideartikel). Die schweren 30iger Jahre verursachen der Weberei grosse Probleme und zwingen sie, die Fabrikation entsprechend anzupassen. So stellen sie unter anderen auch Zellwoll- und Kunstseidengewebe her. Ausgesuchte Popelinequalitäten gelten weiterhin als Spezialität des Unternehmens.[10]

1950 Tritt der Sohn von Gustav Gubelmann (*1927†1992) als Teilhaber in die Firma ein.[11]

1957 Nach dem Tod von Gustav Gubelmann-Monnard (*1879†1957) sind folgende Personen als Eigentümer eingetragen:[12]

  • Theodor Gubelmann-Hafner, Landwirt
  • Wwe. Jeanne Alice Gubelmann-Monnard, Spitalstrasse, Unterwetzikon
  • Gustav Gubelmann-Kull (*20. Mai 1927†23. März 1992), Spitalstrasse 13, Unterwetzikon
1950er Jahre

1958 Beschäftigt die Firma 120 Mitarbeiter davon 105 Frauen, verfügt über 300 Webstühle, davon sind 2/3 erneuert. Die Produkte werden an Händler verkauft, meistens an Manipulanten, die den Stoff veredeln. Betriebsleiter ist Gerhard Jent.[13]

1960 Erfolgt eine Erweiterung des Webereibetriebes durch Ankauf des benachbarten Baumwollzwirnereiareals Denzler & Co.

1960-1962 Die Firma Denzler & Co. an der Zürcherstrasse 23 samt Liegenschaften werden gekauft und abgebrochen. Vom Juli 1961 bis Oktober 1962 wird auf diesem Areal ein neues Fabrikgebäude an das Bestehende der Firma Gubelmann angebaut und der dadurch gewonnene neue Websaal wird mit 90 der modernsten Webautomaten Fabrikat „Rüti“ bestückt.[14]

1971 Wird auf der Nordseite der Zürcherstrasse ein Wohnblock mit 16 komfortablen Wohnungen für die Belegschaftsangehörigen gebaut.

1974/75 Erstellung eines weiteren Wohnblocks mit 11 Wohnungen an der Rainstrasse für den gleichen Zweck.

1992 Nach dem Tod von Gustav Gubelmann-Kull im März übernimmt Jürg Joos-Gubelmann die Geschäftsführung der Firma.

125 Jahre Gubelmann & Cie.

1996 Durch die schwierigen Verhältnisse in der schweizerischen Textilindustrie sieht sich die Firma veranlasst, im Mai die Produktion in Wetzikon einzustellen. Sie gründet eine Produktionsgemeinschaft mit der Feinweberei Elmer AG in Wald. Ein Drittel des Personals der Weberei Gubelmann & Cie kann in Wald integriert werden. 40 Arbeitsplätze werden in Wetzikon abgebaut.[15]

Entschliesst sich die Firma, die bestehenden Gebäude zu sanieren und diese zu vermieten. Sie besteht somit weiterhin als Immobilienfirma Gubelmann & Cie, als deren Inhaberin Suzy Joos-Gubelmann zeichnet. Gemäss Jürg Joos, Geschäftsleiter Gubelmann & Cie, und Walter Plüss, der für das Konzept und dessen Durchführung sowie für die Erstvermietung zuständig ist, können bei dem Ausbau die Mieterwünsche berücksichtigt werden.[16]

1997 Sämtliche Räumlichkeiten werden in kurzer Zeit vermietet. So bietet die alte Weberei am Wildbach auch nach ihrer Umwandlung in ein Gewerbeareal ungefähr so viele Arbeitsplätze, wie sie es in der Schlussphase ihrer Produktion tat.[17]

1998 Die umgebauten Gebäude der ehemaligen Weberei beherbergen inzwischen eine Vielzahl von Geschäften:

Novatrade, Büroeinrichtungsgeschäft, Computer direkt AG, Textilagentur Schaffner mit eigenem Laden und Nähatelier, die Restaurationsbetriebe Evita und Rotor, Martin AG, Schriftenmalerei und Siebdruck, Albatros GmbH, Natur-, Kunststeine und Keramikbeläge, die Reinigungsfirma Scuteri, die Wave Control GmbH, Lautsprecherbau, die Firma Melchior, Kulissen- und Ausstellungsbau, ein privater Vorkindergarten, Genkinger Schweiz, Hebe-, Förder- und Lagertechnik, Schamberger & Cie, Musikinstrumentebau, Bless Art, Möbelsysteme, tät tat, Werkstatt für gestalterische Fragen und Palette, Anlaufstelle für spezifische Fragen für Personal- und Sozialfragen in Kleinunternehmen und Gewerbebetrieben.[18]

Siehe auch

Literatur

Dokumente

Fotos

Familienfotos

Allgemein

Audio

  • Audio_20 40 Jahre in der Weberei Gubelmann: Albert und Anna Kündig-Möckli erzählen. Aufnahme: Annelies Braun-Jörg im November 1982. Das ganze Gespräch, in der Länge von 35 Minuten, ist als mp3 Datei im Archiv Ortsgeschichte erhältlich.
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Weblinks

Einzelnachweise

  1. Grundprotokoll Notariat, Kopie im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon
  2. Firmengeschichte Gubelmann & Cie. 1989
  3. Grundprotokoll Notariat, Kopie im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon
  4. Kopie Inventar kantonale Denkmalpflege und ZO 28. April 2000, Dr. Christian Renfer, kantonale Denkmalpflege
  5. Grundprotokoll Notariat, Kopie im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon und Chronik Bezirk Hinwil, 1944, Seite 164
  6. Gustav Strickler: Verdienstvolle Männer vom Zürcher Oberland, 1936
  7. Gewerbe News Mai 2000
  8. Firmengeschichte 1989
  9. Firmengeschichte 1989
  10. Chronik von Wetzikon, 1951-1958 und Firmengeschichte 1989
  11. Chronik von Wetzikon, 1951-1958 und Firmengeschichte 1989
  12. Grundprotokoll Notariat, Kopie im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon
  13. Chronik von Wetzikon, 1951-1958
  14. Notizen von Max Hanhart, eh. kaufmännischer Leiter, 1976
  15. ZO 2. Februar 1996
  16. ZO 23. August 1996
  17. ZO 25. Juli 1997 und 26. September 1997
  18. GewerbeNews Mai 1998 und Mieter-Liste von Jürg Joss-Gubelmann