Mechanische Eisenwarenfabrik AG

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Firmenchronik mech. Eisenwarenfabrik AG Kempten, MEK, Schraubenfabrik, «Schrubi»[Bearbeiten]

1899 Johannes Graf (*25. Dezember 1839) übergibt seine Sennerei dem einen Sohn und erwirbt 1872, gemeinsam mit Johannes Egli aus der Stockrüti, Bäretswil, die Mühle Kempten und das dazu gehörende Holzgeschäft, welches er 1904 seinem Sohn Jakob Graf (*26. März 1867) übergibt. Sohn Jakob ist zu diesem Zeitpunkt bereits Mitinhaber des Sägereibetriebes, Präsident der kantonalen Sektion des Schweizerischen Holzindustrieverbandes, Primar- und Bezirksschulpfleger und als Gemeinderat Präsident der Gesundheitsbehörde. Emil Spörri (*26. Februar 1867), Schulkamerad von Jakob Graf wird mit zwanzig Jahren Vollwaise und betreibt den Bauernhof Harlachen. Später kauft er die Havanna, wird Schulguts-, Armengutsverwalter, Gemeindeammann, Gemeinderat, Gemeindepräsident, Gemeindeschreiber, Bezirksrichter und Bezirksstatthalter. Dr. med. Hans Haegi (*1868), anerkannter Dorfarzt in Wetzikon, gehört ebenso wie Emil Spörri der von Jakob Graf präsidierten Gesundheitsbehörde an. Im Sommer 1899 erhalten sie den Auftrag, in Unterwetzikon ein neues Fabrikgebäude zu begutachten. Dabei wird die Idee geboren, in Kempten ebenfalls etwas Ähnliches zu bauen und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen.[1]

Im Sommer verfolgen die Herren Haegi und Spörri das Ziel, auch in Kempten eine Verdienstmöglichkeit im Sinne einer Fabrik zu bieten und dazu Herrn Jakob Graf-Honegger beizuziehen. Als zukünftiger Direktor wird der gleichaltrige Robert Honegger angeworben (ein Verwandter von Jakob Graf, damals bei der Schraubenfabrik Frei, Bubikon, angestellt). Alle drei Initianten werden zu Verwaltungsräten, Dr. Hans Haegi zum Präsidenten gewählt. Am 29. August wird das innert der Bahnlinie und dem Schmied Hürlimann gehörende Wiesengrundstück abgeschritten und für geeignet befunden. Abklärungen ergeben, dass für einen Fabrikbau zusätzlich Land von den Gebr. Leemann benötigt wird. Für Zimmerarbeiten wird die Fa. Henri Dietliker angefragt und beauftragt. Architekt Erni, Wetzikon, erhält den Auftrag zur Erstellung der Pläne und der Kemptner Baumeister Cerliani den Auftrag, alles für den Bau vorzubereiten. Für den Start erforderliche Maschinen: 6 Automaten samt zugehörigem Werkzeug, 1 Bohrmaschine, 1 Schleifmaschine und eine fünfspindlige Mutternschneidmaschine.

Die auch für Dreharbeiten konzipierte Schraubenfabrik startet mit 18 Mitarbeitern und einem Startkapital von 100'000 Franken und wird «Mechanische Eisenwarenfabrik AG Kempten, MEK» genannt. 200 Aktien sind gezeichnet, als am 15. Oktober die Gründungsversammlung stattfindet.[2]

Ansichtskarte MEK Kempten

1900 Am 1. April erfolgt die Betriebsaufnahme. Schon im gleichen Jahr muss die Lagerbilanz um 15'000 Franken abgeschrieben werden wegen den stark gefallenen Eisenpreisen. Aufträge kommen harzig herein, sodass am 3. Oktober ein Betriebsverlust von Fr. 16'465.65 resultiert. Betriebsleiter Robert Honegger konstruiert den sogenannten «Kemptner-Automat» für im eigenen Betrieb hergestellte Schrauben.[2]

1911 Am 30. September wird das Aktienkapital durch 400 neue Aktien à 500 Franken auf 300'000 Franken erhöht, da ein weiterer Ausbau beschlossen und der nördliche Flügel verlängert und überdacht werden soll. In diesem Raum wird die Zieherei eingerichtet. Als neue Verwaltungsräte treten Caspar Schuler-Suter und Wilhelm Honegger, als Vertreter der Honegger & Co ein, mit kräftiger Beteiligung an der Aktienkapitalerhöhung.[3]

1912 Der neue Nordflügel wird gebaut.[3]

1917 Magazinbau gegen Norden, Gleisanschluss zum Bahnhof Kempten, Verlegung der Schmiede, Einbau von Büroräumlichkeiten, Eratz der Acetylenbeleuchtung durch elektrisches Licht, alles erfordert mehr Geld. Der hohe Beschäftigungsgrad (Kriegszeiten!) bewirkt eine Kapitalerhöhung auf 500'000 Franken. Man benötigte das Geld zum Bau und Kauf mehrerer Häuser, um Mitarbeitern preisgünstige Wohnungen anzubieten.

1918 Direktor Robert Honegger erleidet einen schweren Schädelbruch durch einen Tramunfall in Zürich, von dem er sich nicht mehr erholt. Den alten Aktionären werden 20'000 Franken ausbezahlt, als Ausgleich des Ausfalls der Dividende in den ersten Jahren.[4][3]

1919 Nach den sehr guten Kriegsjahren folgen Krisenjahre: Arbeiter werden entlassen, den verbleibenden der Lohn um 10% gekürzt.[2]

1920/21 1921 beträgt die negative Bilanz 96'000 Franken, im Jahr darauf gar 143'659 Franken; die Reservefonds von 50'000 Franken sind aufgebraucht, eine Stilllegung der Fabrik wird ins Auge gefasst.[3]

1923 Nach 24-jähriger Tätigkeit tritt Direktor Robert Honegger zurück und wird durch den 1920 eingetretenen Otto Egg abgelöst.[5]

1924 Angesichts der aktuellen Geschäftslage wird auf eine Feier des 25-jährigen Bestehens verzichtet.[5]

1939 Im Sommer stirbt Baumeister Alfred Hirzel-Baumgartner; sein Nachfolger im Verwaltungsrat wird Direktor Otto Egg. An der Generalversammlung vom 2. September werden die angepassten Statuten genehmigt und für den Wohlfahrtsfonds die Stiftungsstatuten beschlossen.[3]

1940 Verschiedene Verbesserungen werden in der Fabrik vorgenommen: Eine Waschanlage und eine Entölungsanlage für Schrauben, eine Telefon- und Suchanlage sowie Verbesserungen an den betriebseigenen Wohnhäusern.[3]

1946 Die Generalversammlung vom 14. September muss vom alters- und gesundheitshalber bedingten Rücktritt von Dr. Hans Haegi als Präsident des VR Kenntnis nehmen. Nachfolgend werden Dr. Oskar Haegi und Paul Honegger, Uzwil, die Söhne des scheidenden Präsidenten und des ehemaligen Direktors, in den Verwaltungsrat gewählt.[3]

1947 Als Nachfolger des verstorbenen Direktors Otto Egg folgt Architekt Karl Hirzel in den Verwaltungsrat. Neu steht Samuel Müller-Bührer als Betriebsleiter vor.[6][7]

1949 Die Industrie in Deutschland entwickelt sich spürbar, was zu einer unvorhergesehenen Verknappung von Stahllieferungen durch die bisherigen Lieferanten in Gerlafingen führt. Aushelfen kann die Firma von Moos, Luzern. Im Blankstahlsektor beginnt ein Preiskrieg mit starken Unterbietungen durch das Ausland, im Roheisensektor vor allem durch England, Deutschland und Belgien. Die hohen Schweizerpreise wirken ungünstig und beeinflussten das Geschäft der MEK. Die Arbeiter müssen abwechselnd eine halbe Woche zu Hause bleiben und Arbeitslosengeld beziehen. Die Arbeiterzahl schrumpft auf 58, der Eisenvorrat auf 502 Tonnen. Augrund 30-prozentigen Preiseinbruchs wird das Eisenlager um 700 Tonnen aufgestockt.[3]

Der altershalber zurückgetretene langjährige Buchhalter, Gottlieb Zollinger, wird durch Walter Spühler ersetzt. Anfang Jahr erkrankt Verwaltungsratsmitglied Dr. Oskar Haegi und muss seine Tätigkeit aufgeben. Das 50-jährige Jubiläum der MEK wird zu einem freudigen Fest. Die Aktionäre erhalten eine Spende von 50 Franken, die Belegschaft eine Spende entsprechend dem Grundlohn und den Dienstjahren und alle miteinander eine Reise mit dem Roten Pfeil durch das Wallis zum Genfersee. Nach den Feierlichkeiten folgt die kalte Dusche: die Eisenpreise fallen dramatisch. Statt bisher 50 Tonnen Schrauben werden noch 20 Tonnen pro Monat produziert; viele Firmen haben mittlerweile eigene Schraubenautomaten angeschafft.[3]

1951 Am 7. Mai verstirbt der seit 1947 eingesetzte Präsident des Verwaltungsrates Wilhelm Honegger. An der GV wird er durch Dr. Walter Lichtensteiger ersetzt; anstelle des ebenfalls erkrankten Dr. Oskar Haegi wählte die Versammlung seinen Bruder, Dr. Max Haegi.[3]

1954 Nach 55 Jahren Zugehörigkeit zum Verwaltungsrat stirbt der letzte der Firmengründer, Statthalter Emil Spörri. Als sein Nachfolger wird Max Honegger gewählt. Ebenfalls gestorben ist der langjährige Rechnungsrevisor der MEK, Dir. Heinrich Stehli von der Volksbank. Als Nachfolger werden Robert Senn, Steuersekretär, und Alfred Hirzel-Bruhin bestimmt.[3]

1957 Die betriebseigene Krankenkasse kann ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Im Herbst 1957 wird mit der ganzen Belegschaft eine Reise in den Tessin gemacht. Das Jahresergebnis ist vorzüglich, erlaubt grosse Abschreibungen, Bezahlung der Neubauten und Maschinenanschaffungen, eine Erhöhung aller Gratifikationen.[3]

1959 Durch den im Frühjahr 1958 erfolgte Bau der grossen Halle zwischen Lagerschuppen und Fabrik für die Zieherei kann der Arbeitsablauf wesentlich vereinfacht und Personal eingespart werden. Mit der Arbeiterschaft wird die Erweiterung gemeinsam eingeweiht. Die wachsende Nachfrage nach gepressten Schrauben benachteiligt die eigene Schraubenfabrikation. Dies führt zur völligen Aufgabe dieses Produktionszweiges und in kleinen Schritten wird auf die Fertigung von Präzisionsmaschinenteile umgestellt.

1963 Der Bau einer neuen 90 m langen und 18 m breiten, säulenfreien Halle ersetzt vier bisherige Rohmateriallagerschuppen.[3]

1965 Das ausgezeichnete Geschäftsjahr 1964/65 erlaubt, den gesamten, bis 1964 angewachsenen Maschinenpark abzuschreiben. Auch weitere Abschreibungen auf Lagerhallen, Neu- und Umbauten können gemacht werden. Dank guten Bestellungseingängen muss teilweise in Schichten gearbeitet werden. Zwischen Fabrik und Stationsstrasse werden Autoparkplätze erstellt und dazu ein Benzintank samt Tanksäule eingebaut, um Geschäft und geschäftseigene Leute davon profitieren zu lassen. Für alle Mitarbeiter wird eine Alters- und Todesfallrisiko-Versicherung eingeführt. Bei der von der Konkurrenz eingeführten Kaltpresserei von Schrauben macht die MEK nicht mehr mit; die Investitionen würden sich nicht rechtfertigen. Dadurch besteht der althergebrachte Name «Schrubi» nicht mehr zu Recht.[3]

1969 Vor der Inangriffnahme der letzten baulichen Erweiterung der MEK führt das Studium der Rationalisierungsprobleme zum Entscheid, die Ziehereihalle zu verlängern, was grössere Auslagen für Maschinenumstellungen beansprucht. Um dafür 1,6 Millionen Franken aufzutreiben, wird die Ausgabe von 1'000 Namenaktien beschlossen und von den bisherigen Aktieninhabern auch gleich gezeichnet.[3]

1972 In diesem Jahr darf Otto Wartmann seine 50-jährige Treue zur Firma als Automatendreher feiern.[3]

1979 Die Luzerner Firma Von Moos Stahl AG, zu der auch die MEK gehört, verwendet einen Teil des gegenüber dem Vorjahr geringeren Reingewinns von unter zwei Millionen zur Sicherung der Aktienmehrheit an der MEK.[8]

1993 Am 31. März schliesst die MEK ihre Tore; ein Teil der Produktion wird nach Emmenbrücke verlegt, es folgen Ausbau und Verkauf der ganzen Maschinenausstattung, 47 Mitarbeiter, wovon zwanzig Hilfsarbeiter oder Angelernte sind von der Schliessung betroffen, ein Teil von ihnen soll bei der Luzerner von Moos-Gruppe weiterbeschäftigt, andere frühpensioniert oder entlassen werden. Hiefür hat die MEK einen Sozialplan ausgearbeitet. Der Blankstahlbereich wird mit demjenigen in Emmenbrücke zusammengelegt, die Décolletage, die Herstellung von Präzisionsmaschinenteilen wird gänzlich aufgegeben.[9]

1994 Für die Weiterverwendung der MEK-Liegenschaften zirkulieren Vorschläge von Theater, Musicals, Disco-Partys über Sportanlässe bis Ausstellungen, von denen keiner richtig begeistert und bei einer Umfrage durch die Vorständekonferenz wenig Unterstützung findet.[10]

1996 Im November eröffnet die Bäckerei Steiner nach massiven Umbauarbeiten ihren Betrieb für Produktion und Verkauf mit reicher Auswahl an Brotsorten, Süssgebäck, Torten, Kuchen, Sandwiches, Salate, Patisserie und eine Cafeteria mit Vorgarten, von Montag bis Freitag ab 05.30 Uhr offen, an Samstagen ab 06.00 h und an Sonntagen ab 07.00 Uhr für Gäste bereit.[11]

1999 Das nicht mehr eingesetzte Schienenfahrzeug «Schruubi-Traktor» wird entsorgt. Damit verschwindet ein Unikum von Fahrzeug, ein zweiachsiger, selbstfahrender Plattformwagen mit normalen Kupplungen, kurzem Radstand, Automotor und aufgesetzter Kabine. So verkehrten auf den Geleisen der Station Kempten drei verschiedene Rangierfahrzeuge: ein elektrisch betriebenes vom Bahnhof Wetzikon aus, aus Pfäffikon ein Rangierfahrzeug mit Dieselantrieb für die Colgate und der MEK-Traktor mit Autohupe. Tempi passati![12]

  • Zusammenfassung für die Stadt Wetzikon: Sepp Lauber 10. Oktober 2007

Literatur und Werbung[Bearbeiten]

Pressespiegel[Bearbeiten]

Dokumente[Bearbeiten]

Ansichtskarten[Bearbeiten]

Fotos[Bearbeiten]

Personen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brief an Robert Grimm von Annemarie Hasler-Stauber (*1924), der Enkelin von Emil Spörri, April 2004
  2. 2,0 2,1 2,2 Jubiläumsschriften Mechanische Eisenwarenfabrik AG Kempten
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 3,12 3,13 3,14 3,15 Jubiläumsschrift 75 Jahre MEK
  4. Gewerbe-NEWS Juni 1995, Dr. Jakob Streuli
  5. 5,0 5,1 Brief der MEK an Pfarrer Kaspar Honegger, dat. 14. November 1957
  6. ZO 18. Oktober 1974
  7. Jubiläumsschrift 50 Jahre MEK
  8. ZO 2. Juni 1979
  9. ZO 16. September 1992
  10. ZO 27. Oktober 1994
  11. Internet «Bäckerei Steiner», aufgerufen 2007
  12. ZO 13. April 1999