Jakob Messikommer

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Jakob Messikommer Dr.phil.h.c. (*18. August 1828 in Stegen Wetzikon; †23. August 1917 in Wetzikon) war Landwirt und Dichter und Pfahlbauforscher. Er entdeckte die berühmten Pfahlbauten von Robenhausen.

Porträt Jakob Messikommer, Foto: Fritz Wiesendanger

Leben[Bearbeiten]

1828 Am 18. August wird Jakob Messikommer in einem Wohnteil eines mehrteiligen Flarzhauses in der Stegen geboren. Das Gebäude brennt am 1. März 1871 nieder. Messikommers Geburtshaus (ehemalige Versicherungsnummer 54-56) steht demnach nicht mehr.[1]

1830 Messikommers Eltern beziehen mit ihrem zweijährigen Sohn Jakob das von ihnen neu erbaute Bauernhaus an der Tobelackerstrasse 27. In heimatkundlichen Beiträgen hat es sich eingebürgert, das Haus als Messikommers «Geburtshaus» anzusprechen. Jakob Messikommer wohnte bis 1890 in diesem Haus.[2]

1855 Gründet Messikommer einen landwirtschaftlichen Verein.[3]

1856 Zu Messikommers Betrieb gehörte auch Riedland im Himmerich, wo Messikommer in den Jahren um 1850 jährlich 30-40 Fuder Torf ausbeutete. (Nicht zu verwechseln mit dem erst später über den Pfahlbau Robenhausen abgelagerten Torf, vgl. Die Pfahlbauten von Robenhausen von Heinrich Messikommer, S. 21) 1856 findet er einen Unterkiefer, 1857 eine Pfeilspitze, die er in seinen biographischen Notizen als seinen ersten Fund aus der Pfahlbautenzeit beschrieb. Diese beiden Funde weckten seine Neugier und die Leidenschaft zur Pfahlbauforschung.[4]

1857 Leitet Messikommer auf Ersuchen von Bergrat Stocker-Escher in Zürich die Grabungen nach Schiefer im Schöneichgebiet. Aufgrund dieser Forschungen entstand später das Schieferkohlebergwerk im Schöneich. Messikommer betätigt sich jahrelang im Auftrag von Professor Arnold von der Linth bei der Herstellung der geologischen Karte besonders der Allman- und Hörnlikette. Jakob Messikommer heiratet am 12. Januar Barbara Wismer von Medikon. Dieser Ehe entspriesst ein Knabe.[5]

1858 Am 2. Februar stösst Jakob Messikommer bei niedrigem Wasserstand des Sees beim Graben auf Pfähle - er entdeckt den Pfahlbau Robenhausen.[6][7]

Ausschnitt aus der Relief Karte Zürcher Oberland, undatiert, Herausgeber: Gewerbeverein Wald.

1861 Am 10. April stirbt Messikommers Frau Barbara.[8]

1862 Am 26. Mai heiratet Jakob Messikommer seine zweite Ehefrau Babette Mäder aus Ober-Illnau.[9]

1887 Ist er Mitgründer der Sektion Wetzikon der Antiquarischen Gesellschaft Zürich.

1890 Messikommers zweite Frau Babette Mäder aus Illnau war 1889 verstorben, er wegen Überhäufung von Arbeit überfordert und sein Sohn an einer Hofübernahme nicht interessiert. Zur gleichen Zeit kam es im benachbarten Haus, Usterstrasse 80 der Familie Schneebeli zu einem Erbgang. Heinrich Schneebeli, der Geld, aber kein Haus erbte, wurde am 26. September bei Messikommer wegen Ankaufs des Heimwesens vorstellig. Noch am gleichen Tag abends um halb 8 Uhr war der Vertrag unterschrieben. Ausgenommen vom Verkauf blieb einzig seine Pfahlbaute im Robenhauser Ried, die Messikommer zu einer Art Freilichtmuseum ausgebaut hatte. Zu Messikommers späterem Wohnort von 1892-1917 ist nichts Konkretes bekannt.[10]

1893 Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich macht Jakob Messikommer am 29. April zum Ehrendoktor in Würdigung seiner vieljährigen Verdienste um die prähistorische Forschung.

1897 Mitbegründer der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon.

1917 Am 23. August stirbt Jakob Messikommer.

1926 Der Verkehrsverein und die Antiquarische Gesellschaft setzen am 22. Mai im Ried Robenhausen einen Gedenkstein aus einem roten Sernifit aus dem Sernftal im Glarnerland.

Todesanzeige, 23. August 1917

2010 Der Seegräbner Alt-Gemeindepräsident Pierre Derron und der Fehraltorfer Chronist Walter Müller initiieren eine in einen Eichenpfahl eingelassene Schautafel bei der Messikommer-Eiche.[11]

regio Artikel 14.10.2010

2011 Das Welterbekomitee der UNESCO hat die Kandidatur akzeptiert, die 111 Pfahlbaustätten im Alpenraum umfasst. 56 befinden sich in der Schweiz. Am Pfäffikersee ist die Fundstelle Wetzikon/Robenhausen (Furtacker) herausragend. Damit gehört sie zur elften Weltkulturstätte der Schweiz.[12]


Chronologie der Aktivitäten[Bearbeiten]

Aus der Fotochronik von Kaspar Honegger

1828, 18. August Geburt von Jakob Messikommer in Stegen.

1838 Jakob Messikommer legt im Alter von 10 Jahren durch Säen von Apfelkernen einen Baumgarten an.

1843 Tod des Vaters. Messikommer muss im elterlichen Bauernbetrieb voll mitarbeiten.

1850 Jakob Messikommer lernt den Dichter Jakob Stutz kennen und entdeckt seine poetische Ader.

1852 Jakob Messikommer schreibt das Theaterstück in vier Akten «Die Kappeler Milchsuppe». (Abschrift in der Dokumentation des Museums Wetzikon)

1853 Das erste Gedicht von Jakob Messikommer wird im «Allmann» dem Vorgänger des Zürcher Oberländers veröffentlicht.

1855 Jakob Messikommer gründet den landwirtschaftlichen Verein Wetzikon-Seegräben und ist jahrzehnte lang deren Präsident.

1856 Jakob Messikommer wird Schulpfleger.

1856 Beim Torfstechen im Moor findet Messikommer einen menschlichen Unterkiefer mit Zähnen.

1857 Entdeckung einer Pfeilspitze beim Torfstechen.

1857 Beim Bahnbau werden in der Schöneich Kohlevorkommen entdeckt. Im Auftrag von Bergrath Stocker-Escher leitet Jakob Messikommer die Nachgrabungen, welche zur Entdeckung von abbauwürdigen Schieferkohlen führt.

1857 /1858 Mitarbeit im Auftrag von Prof. Arnold Escher von der Linth an der geologischen Kartierung der Allmann- und Hörnlikette insbesondere zur Erfassung von erratischen Blöcken (Findlingen).

1858, 2. Februar Bei der Korrektion des Aabaches werden Pfähle entdeckt. Die Entdeckung der Pfahlbauer von Robenhausen.

1859 Im Torf werden verkohlte Textilreste entdeckt.

1860 Funde von Steinbeilen im Untersee.

1861 Jakob Messikommer wird vom neu gegründeten Historischen Verein Thurgau beauftragt Untersuchungen der Pfahlbauten am Untersee zu leiten.

1862 Bei Grabungen in Niederwil bei Frauenfeld im Auftrag des Historischen Verein Thurgau findet Messikommer ganze Hüttenboden, Steinbeile und verkohlte Textilien.

1863 Messikommer kauft weiteres Terrain im Riet von Robenhausen. Im folgenden Jahr kommen hier interessante Funde zum Vorschein.

1865 Uferabsturz in Pfäffikon. Messikommer erhält den Auftrag das Terrain zu untersuchen. Ein Rest der 1386 zerstörten Burg und die Torfbildung ermöglichen es ihm, das Alter des Seebodens zu bestimmen. Messikommer gräbt in Irgenhausen und findet Mahlsteine und prächtige steinzeitliche Textilien.

1867 Messikommer entdeckt zwei Pfahlbau-Niederlassungen im Greifensee. Jakob Messikommer kann ein Sortiment von Pfahlbaufunden an die Weltausstellung von Paris senden. Er erhält dafür eine Bronze Medaille.

1869 Messikommer entdeckt im Wald bei Bertschikon einen erratischen Block mit Vertiefungen. Es handelt sich vermutlich um einen «Schalen- oder Opferstein».

1872 Messikommer erhält den Auftrag zur Mitarbeit an der geologischen Karte der Schweiz für den Bereich Bezirk Hinwil und oberes Tösstal.

1874 Messikommer beteiligt sich an der Untersuchung einer Höhle im Kesslerloches bei Thayngen, einer sogenannten Renntierhöhle. Die menschlichen Spuren sind wesentlich älter als die der Pfahlbauer.

1876 Arbeiten in Arbon im Auftrag des Historischen Verein Thurgau. Entdeckung von Resten eines römischen Wachtturmes.

1878 Messikommer veröffentlicht in der NZZ einige ausführliche Beiträge zum Thema «Die Umgebung von Wetzikon in vorgeschichtlicher Zeit».

1883 Bei Quaiarbeiten in Zürich (Wollishofen) wurden Reste von Pfahlbauten entdeckt. Messikommer muss das Aushubmaterial auf Fundobjekte untersuchen.

1884 Messikommer findet in Robenhausen eine Giessschale mit Resten von Kupfer. Ein Beweis, dass die Pfahlbauer in der späteren Fase Metall kannten.

1884 Bei weiteren Grabungen im Auftrag des Historischen Verein Thurgau in Arbon wird ca. 1 km vom Seeufer entfernt Pfahlbauten gefunden.

1887 Mitbegründer der Sektion Wetzikon der Antiquarischen Gesellschaft Zürich.

1889 Grabungen im «Burg» genannter Hügel bei Robank. Messikommer kann einen Einäscherungsplatz im Hügel feststellen, zudem findet er Rest von Graburnen.

1891 Jakob Messikommer beginnt mit regelmässigen Aufzeichnungen, die Chronik der Gemeinde Wetzikon entsteht.

1891 Nachgrabungen nach Schieferkohle in Gossau. Es werden keine abbauwürdigen Vorkommen entdeckt.

1893 Jakob Messikommer wird mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde für seine Forschungstätigkeiten geehrt.

1897 Mitbegründer der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon

1917, 23. August Dr. h.c. Jakob Messikommer stirbt nach kurzem Unwohlsein im 89. Altersjahr.

Familiendaten chronologisch[Bearbeiten]

18. August 1828 Geburt von Jakob Messikommer in Wetzikon

1857, 12. Januar Heirat mit Barbara Wismer

1857, 5. Juni Geburt des Sohnes Jakob

1858 Totgeburt eines Sohnes

1859 Frühgeburt eines Sohnes, der kurz nach der Geburt stirbt.

1861, April Geburt eines Sohnes, der nach 12 Stunden stirbt.

1861, 10. April Tod von Barbara Messikommer-Wismer

1862, 26. Mai Heirat mit Babette Mäder

1862, 31. Dezember Geburt der Tochter Marie

1864, 30. März Tod der Tochter Marie

1864, 10. August Geburt des Sohnes Heinrich

1865, 22. Oktober Geburt der Tochter Anna (hatte Kinderlähmung und epileptische Anfälle)

1869 Geburt eines Sohnes, der nach 17 Tagen stirbt

1879, 11. März Tod des Sohnes Jakob aus erster Ehe

1889, 25. November Tod von Babette Messikommer-Mäder

1893, 29. April Jakob Messikommer wird mit der Doktorwürde ausgezeichnet

1901 Tod der Tochter Anna

1917, 23. August Tod von Dr. h.c. Jakob Messikommer

  • Recherchiert von Willi Müller, die meisten Daten stammen aus persönlichen Aufzeichnungen von Jakob Messikommer.

Dokumente[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Altorfer Kurt: Die prähistorischen Feuchtbodensiedlungen am Südrand des Pfäffikersees, 2010, DK 904
  • Heimatspiegel Februar 2009 ─ Dr. h. c. Jakob Messikommer, ... nicht nur Pfahlbauforscher
  • Heimatspiegel Juli 2003 zum 175. Geburtstag von Jakob Messikommer ─ Dichterische Höhenflüge ─ archäologische Grabungen
  • Heimatspiegel November 1987 ─ Das Kulturelle Erbe einer Gemeinde ─ 100 Jahre Antiquarische Gesellschaft Wetzikon
  • Heimatspiegel Oktober 1983 ─ Briefe ehemaliger Wetziker Schüler an Sekundarlehrer Johann Kaspar Sieber
  • Heimatspiegel August 1970 ─ Zürcher Oberländer Pioniere. Wie sich Dr. Jakob Messikommer nicht erwischen liess
  • Altorfer Werner: Rund um den Bachtel: Heimatkundliches aus dem Zürcher Oberland, 1983, Seite 53
  • Strickler Gustav: Verdienstvolle Männer vom Zürcher Oberland, 1937
  • Pdficon.gif Die Schweizer Familie, Illustriertes Wochenblatt, das rote Heft 18. August 1928
  • Messikommer Heinrich: Die Pfahlbauten von Robenhausen: Meinem lieben Vater Dr. Jakob Messikommer zum 85. Geburtstag gewidmet, 1913, DK 904 Rh
  • Pdficon.gif Katalog der Sammlung der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon, aufbewahrt im alten Primarschulhaus Ober-Wetzikon, aufgenommen im Juni 1896

Pläne im Archiv Ortsgeschichte[Bearbeiten]

  • Situationsplan über die Pfahlbauten-Reservation Messikommer und die Torf-Reservation der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Robenhausen Wetzikon aus dem Jahre 1919.

Akten im Staatsarchiv Zürich[Bearbeiten]

  • Gästebuch von Jakob Messikommer mit vielen Unterschriften von Gelehrten aus der ganzen Welt im Bestand der Antiquarischen Gesellschaft Zürich: Signatur: W I 3.183[13]

Filme im Archiv Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Fotos[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beat Frei, Historische Würdigung Bauernhaus Tobelackerstrasse 27, 21. Juli 2006
  2. Beat Frei, Historische Würdigung Bauernhaus Tobelackerstrasse 27, 21. Juli 2006
  3. Gustav Strickler, Verdienstvolle Männer vom Zürcher Oberland
  4. Beat Frei, Historische Würdigung Bauernhaus Tobelackerstrasse 27, 21. Juli 2006
  5. Jakob Messikommer: Biographische Notizen
  6. Heinrich Messikommer: Die Pfahlbauten von Robenhausen, 1913
  7. Gustav Strickler, Verdienstvolle Männer vom Zürcher Oberland
  8. Jakob Messikommer: Biographische Notizen
  9. Jakob Messikommer: Biographische Notizen
  10. Beat Frei, Historische Würdigung Bauernhaus Tobelackerstrasse 27, 21. Juli 2006
  11. regio 14. Oktober 2010
  12. ZO 28. Juni 2011
  13. Staatsarchiv Zürich, Winterthurerstrasse 170, Zürich, Auskunft am 30. März 2017