Johannes Schmidlin

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Johannes Schmidlin (*22.Mai 1722 in Zürich; †16. November 1772) war Pfarrer und Komponist. Er lebte im Pfarrhaus an der Usterstrasse 8.

Johannes Schmidlin


Leben

1722 Am 22. Mai erblickt Johannes Schmidlin als Sohn eines Schiffmeisters in Zürich das Licht der Welt.

1743 Ordiniert er und ist danach Vikar bei Dekan Utzinger in Dietlikon.

1752 Erscheint sein Erstlings- und Hauptwerk als er noch Pfarrvikar in Dietlikon war: Singendes und spielendes Vergnügen reiner Andacht. Er will mit seinem Gesangbuch nicht das Kirchengesangbuch ersetzen, sondern er vertonte noch nicht in Gesangbüchern vorhandene Texte, um sie mit einer passenden Melodie zu einer «rechten Seelenmusik zu machen». Sein Werk umfasst 203 ein- bis vierstimmige Generalbasslieder, meist 2 hohe Stimmen und einen Generalbass, der zugleich Singstimme ist.

«Ist etwas, wodurch der durch viele Geschäfte zerstreute Geist besser gesammelt und in eine angenehme Stille und Vergnügen kann gebracht werden, als durch eine belebende Music?» Frage Schmidlins im Begleittext zu seinen 1759 komponierten Lobgesängen.

1754 Am 23. Juni wird Johannes Schmidlin nach Wetzikon berufen und feierlich als Pfarrer zu Wetzikon und Seegräben eingesetzt, wo er 18 Jahre lang nicht nur als glänzender Kanzelredner, sondern mehr noch als begeisternder Musikus, hochbegabter Sänger und Komponist und vor allem als Reformer des Kirchengesangs wirkt.

Pfarrhaus Usterstrasse 8 Zeichnung von Hans Künzi

1755 Gründet Schmidlin die Singgesellschaft. Zeitweise verfügt dieser Chor über 200 Stimmen, was 10 Prozent der Bevölkerung von Wetzikon entsprach.

1768 Schmidlin widmet sich nicht nur dem Gesang, sondern führt in Wetzikon auch die Instrumentalmusik ein. Er gründet die Musikgesellschaft Wetzikon, eine Gesellschaft von Liebhabern der Musik zum Lobe Gottes. Er ist somit der Wegbereiter, der Wetzikon zu einer singenden und musizierenden Hochburg werden lässt, ein Vorreiter des heimischen Musikkollegiums.

1772 Am 16. November erliegt Johannes Schmidlin im Alter von nur 50 Jahren einem Schlaganfall als letzter seines Geschlechts. Er war unverheiratet und soll im Sinn der Brüdergemeinde (Herrenhuter) gewirkt haben.

1830 Hört das Einüben der Schmidlinschen Lieder auf.

1857 Wird ein Auszug von 80 Liedern gedruckt, um seine Gesänge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

1988 Enthält das Kirchengesangbuch nur noch 4 Lieder von Johannes Schmidlin:

  • Gott ist mein Lied (Seite 60)
  • Nun Jauchzet all ihr Frommen (Seite 103)
  • Der Herr fährt gen Himmel (Seite 174)
  • Lasset uns zum Heiland gehen (Seite 234)

2003 Am Bettag wird in der reformierten Kirche Hinwil die neu aufgearbeitete Kantate «Lob der Gottheit» aufgeführt, die Schmidlin vor 245 Jahren als «Lobgesänge auf Gott» komponiert hatte. Mit dem langjährigen Leiter des Singkreises Hinwil, Stefano Lai, lebt die historische Musik aus der Region wieder auf. Er ist Musikwissenschafter und Musiklehrer für Blockflöte und Klavier.[1]


Werke von Johannes Schmidlin

  • 1758 Ein Anhang zu seinem Gesangbuch
  • 1759 Lieder, Hymnen und Lobgesänge auf Gott
  • 1760 Geistliche Lieder mit Choralmelodien und Generalbass.
  • 1761 Gellerts geistliche Oden und Lieder in Musik gesetzt
  • 1761 Hymnen und Lobgesänge auf die Weisheit Gottes nach den vier Jahreszeiten
  • 1762 Musikalisches Denkmal zweier verdienstvoller Männer des Vaterlandes
  • 1763 Hundert Lieder von Tersteegen mit Melodien
  • 1764 Jesus auf Golgatha
  • 1766 Anleitung zum Psalmengesang
  • 1767 Cramers Oden und Lieder in solo
  • 1767 Diakon Lavaters geistliches Handbüchli mit Melodien
  • 1769 Eine Modernisierung der Psalmen Davids (des sogenannten Lobwasser-Buches)
  • 1771 Geistliche Chorallieder zum allgemeinen Gebrauch der Landschulen
  • 1772 Choralliederbuch zum Gebrauch für Landschulen, (sein letztes Werk)

Literatur

  • Auszug aus dem Gesangbuche des Johannes Schmidlin, 1881 mit Goldschnitt (184)
  • Auszug aus dem Gesangbuche des Johannes Schmidlin, 1904, 1 Ex. schwarzer Einband (347), 2 Ex. broschiert (792 + 227)
  • Auszug aus dem Gesangbuche des Johannes Schmidlin geb. 1857, 3 Ex. (795, 794, 689)
  • Heimatspiegel 10/2002 «Wetzikons Sängerväter und ihr Erbe», Autor: Hans Ehrismann
  • Christof Näf-Mathys: «Wert, dass Er unvergesslich sey»: Johannes Schmidlin (1722-1772), Musik & Gottesdienst, Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, Nr. 1/Januar 2016

Spezielles

  • Am reformierten Pfarrhaus an der Usterstrasse 8 ist eine Gedenktafel angebracht: «Hier wohnte und amtete als Pfarrer von Wetzikon 1754 - 1772 Johannes Schmidlin der geistliche Sänger.»
  • 1856 wurden Fr. 1'100.-- bewilligt für Schmidlinlieder[2]
  • 1905 wurden 2'000 neue Schmidlinhefte angeschafft[3]

Audio

  • Aufnahme der Radiosendung 1973 zum 200. Todestag Schmidlins, von Pfr. Markus Jenny, Zürich
  • Kassette: Schmidlin-Gottesdienst 7.2.1988

Fotos

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zürcher Oberländer, 17. September 2003
  2. Pfarrer Kaspar Honegger
  3. Plauderei Pfarrer Kaspar Honegger, Seite 7a