Spurensuche historische Stadtrundgänge

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Vorgeschichte[Bearbeiten]

Lanciert wurde der historische Stadtrundgang 2012 durch den Verein Wetzikontakt und die Standortförderung Wetzikon. Die Texte stammen aus der Feder der Kulturdetektive. Finanziert wurde das Fr. 50'000.-- teure Projekt, das zusätzlich eine Übersichtskarte umfasst, von Wetzikontakt, der Stadt Wetzikon, privaten Gönnern sowie den drei Banken Raiffeisen, Clientis Zürcher Regionalbank und Zürcher Kantonalbank ZKB. Es wurden drei verschiedene Rundgänge konzipiert - Ausgangspunkt ist die jeweilige Bankfiliale: Raiffeisenbank Bahnhofstrasse 143, Clientis Zürcher Regionalbank, Bahnhofstrasse 3 und Zürcher Kantonalbank Bahnhofstrasse 186.

Spurensuche - Grüner Clientis-Rundgang[Bearbeiten]

Ehemalige Fabrikantenvilla mit Ökonomiegebäude[Bearbeiten]

Textilfabrikant Heinrich Gubelmann-Tobler liess Villa und Park 1876-78 nicht wie die meisten Industriellen auf dem Fabrikareal, sondern im aufstrebenden Bahnhofquartier an bester Geschäftslage bauen. Sein eigenes Büro mit Balkon richtete er direkt auf den neuen Bahnhof aus. 1898 liess sein Sohn Albert Gubelmann neben der Villa ein für die Erbauungszeit sehr modern organisiertes Landwirtschaftsgebäude mit Doppelstall und Futtertenn, Milchhütte, Heuraum und Hocheinfahrt erstellen. Zusammen mit den weiteren Gubelmann-Villen und dem Neubau im Park bilden sie ein wichtiges Ensemble in Unterwetzikon.[1]

Benzin aus der Apotheke am Dorfplatz in Unterwetzikon[Bearbeiten]

Die Esso-Gasometer-Zapfsäule stand seit 1934 an der Südecke der Apotheke, denn von 1934-1942 führte Apotheker Ernst Raths das Depot der Firma «Emil Scheller&Cie». Diese Firma handelte mit Chemikalien und Industrie- sowie Treib- und Brennstoffen. In den Anfängen des Automobils war es ganz normal, dass man das Benzin in der Apotheke kaufte![1]

Villa Michalski[Bearbeiten]

Den ältesten Teil des Alterwohnheims Am Wildbach bildet die Villa des Wetziker Dorfarztes und Chirurgen Doktor Jacek Michalski. Er kam 1902 nach Wetzikon und liess sich 1906 von Architekt Johannes Meier die wunderschöne Villa samt gross angelegtem Park samt Pferdestallungen und Knechtenwohnung am Wildbach erbauen. Im Park gab es neben einem Reitplatz auch ein Schwimmbad und einen Tennisplatz.[1]

Vom Rindenmahli-Weiher zur Badi Unterwetzikon[Bearbeiten]

An der Stelle des grossen Bassins speisten der Wild- und der Brunnenbach den 1875 erstellten sogenannten «Rindenmahli-Weiher». Eine Wasseranlage, die Gerber Gustav Ryffel als Wasserreservoir diente, um immer genügend Wasser über einen eigens dazu angelegten Kanal auf seine Mühle führen zu können. Schon bald entdeckten die Kinder den Weiher als Badeort. Er war so beliebt, dass ihn die Gemeinde Wetzikon 1914 als offizielle Badestelle übernahm.[1]

Kantonsschule Zürcher Oberland[Bearbeiten]

Vom ersten Gesuch 1874 bis zur Volksabstimmung über einen Gesetzesentwurf für eine Kantonsschule Zürcher Oberland 1952 und dem tatsächlichen Bezug des Gebäudes des ersten Land-Gymnasiums 1957 gab es manche hitzige Debatte. Die heutige Schule ist in drei Etappen entstanden. Das Herzstück bildet die Aula, ein kreisrundes Amphitheater mit einem grosszügigen Foyer in einem verglasten rechteckigen Bau. Sie verbindet nicht nur den Haupttrakt der Schule mit dem grossen rechtwinklig angefügten grossen Spezialtrakt, sondern als kulturelles Begegnungszentrum auch die Schule mit der Region.[1]

Bahnhofplatz Unterwetzikon[Bearbeiten]

Nach der Eröffnung der Kempttalbahn 1876 wurde Unterwetzikon zum Eisenbahnknotenpunkt. Dieser Aufschwung wertete das Bahnhofquartier entscheidend auf, was sich relativ schnell an einer neuartigen städtischen Bebauung rund um den Bahnhof deutlich zeigte. Unter all diesen Prachtsbauten ging das bescheidene Bahnhofgebäude fast unter. Aber erst 1903 nach der Eröffnung der dritten Bahnlinie, die den Bahnhof Unterwetzikon frequentierte, der Wetzikon-Meilen-Bahn, erhielt Wetzikon einen repräsentativen Bahnhof mit Wartesaal, einem Perrondach, drei Telefonen und elektrischer Beleuchtung. Architekt war Johannes Meier.[1]

Spurensuche - Roter Raiffeisen-Rundgang[Bearbeiten]

Vom Wirtshaus Hirschen zum Züri-Oberland-Märt[Bearbeiten]

Während Sie heute auf den Bus warten, hätten Sie früher etwas trinken können, denn hier stand bis 1969 der Gasthof Hirschen. Mit einem grossen Schriftzug an der Fassade machte er auf sich aufmerksam. Auf der Wiese hinter dem Hirschen plante man 1966 noch einen Park- und Chilbiplatz im Dorfzentrum. 1979 baute die Migros das grosse Einkaufszentrum Züri-Oberland-Märt. Endgültig vorbei sind die Zeiten als der Migroswagen noch per Handzettel angekündigt wurde, da die Zeitungen aus politischen Gründen Inserate sperrten![1]

Blaufärberei in der «Farb» an der Farbstrasse[Bearbeiten]

An die stattliche ehemalige Apotheke von Heinrich Gretler mit seinem einst wunderbaren Garten erinnert heute nur noch ein Mammutbaum. Schräg gegenüber liegt die ehemalige Färberei, in der unter anderem Blau gefärbt wurde. Die Tücher legten die Färber in der Färberwies hinter dem Bahndamm im Bereich der heutigen West- und Elisabethenstrasse zum Trocknen aus.[1]

Schulhaus Guldisloo[Bearbeiten]

Johannes Meier schuf 1934 auf dem Guldisloo einen neuartigen Schulhausbau mit einem langgezogenen, zweigeschossigen Schultrakt, dem im rechten Winkel eine überdeckte Pausenhalle mit Turnhalle angegliedert ist. In der Pausenhalle schuf Karl Hügin ein Brunnen-Mosaikwandbild passend zum Lied «Zur Goldenen Abendsonne, wie bist du so schön» des Wetziker Musikers Hans Georg Nägeli. Gegen Osten fügt sich seit 1960 ein Anbau mit acht Schulzimmern sowie der fünfeckige Singsaal auf Betonstelzen mit dem charakteristischen Pyramidendach an.[1]

Katholische St. Franziskuskirche[Bearbeiten]

Seit 1924 steht die katholische Franziskuskirche des Schwyzer Architekten Josef Steiner (*1882†1975) von weither sichtbar auf der Geländekuppe im Guldisloo und bildet mit dem Kirchenvorplatz und dem Pfarrhaus ein schönes Ensemble. Dazu gehört auch der grosszügige Freiraum rund um die Kirche.[1]

Reithalle[Bearbeiten]

Gegen Ende des 19. Jh. wurden in der ganzen Schweiz Reitvereine gegründet, denn seit der Gründung des Bundesstaates 1848 mussten sich die Wehrpflichtigen auch ausserdienstlich in Form halten, um jederzeit einsatzbereit zu sein. Um ihre Pferde aber bewegen und trainieren zu können, waren sie auf geeignete Reithallen und Reitplätze angewiesen. Die Reithalle des Wetziker Architekten Johannes Meier aus dem Jahre 1927 ist ein eindrücklicher Bau und in seiner Art einzigartig im Zürcher Oberland.[1]

Spinnereianlage Schönau[Bearbeiten]

Dominant thront die Spinnerei Schönau auf der noch unverbauten Hügelkuppe. Es ist sich eine der ersten grossen und regional bedeutenden Fabrikanlagen am Aabach zwischen dem Pfäffiker- und dem Greifensee. Der Pariser Fabrikant Friedrich Nagel, Besitzer des Schlosses Wetzikon, liess 1823 den Ostturm des Schlosses abbrechen um mit den Steinen seine neue Fabrik und damit ein neues Wahrzeichen zu schaffen.[1]

Bahnstation Oberwetzikon[Bearbeiten]

Drei Gebäude erzählen von den ehemaligen Bahnstationen Oberwetzikon. Das hölzerne Bahnwärterhäuschen von 1876 mit dem Streckengeläut am Bahngeleise ist das einzige eigens für die Kempttalbahn erstellte Gebäude. Es steht zwischen dem klassizistischen Wohnhaus von 1883 an der Talstrasse 19 mit letzten Spuren einer Bahnstation und dem einfachen Wohnhaus mit Restaurant im Erdgeschoss auf der andern Seite der Bahngeleise.[1]

Spurensuche - Blauer ZKB-Rundgang[Bearbeiten]

Wetzikon boomt[Bearbeiten]

Durch das Zusammenwachsen mehrere eigenständiger Zivilgemeinden entstand ein eigenartiges Gefüge entlang der heutigen Bahnhofstrasse ohne eigentlichen Dorfkern. Das Zentrum verschob sich vom Bahnhof Unterwetzikon immer weiter nach Oberwetzikon. In den 1960er Jahren träumten Wetzikon und Stadtplaner Albert Bodmer gar von einer eigentlichen Oberlandstadt, die zusammen mit den angrenzenden Gemeinden 160‘000 Einwohner erreichen sollte.[1]

Schulanlage Zentrum[Bearbeiten]

1906 erbaute der Architekt Johannes Meier für die Sekundarschule Wetzikon eine freistehende Turnhalle. Es war die erste Turnhalle in Wetzikon. Sie wird heute genutzt als Kultur- und Konzertraum und gehört zu einer Schulanlage mit verschiedenen Gebäuden aus unterschiedlichen Zeiten.[1]

Von der Krankenstube zum modernen Regionalspital[Bearbeiten]

Wie die meisten Zürcher Landspitäler ist auch dasjenige in Wetzikon der privaten Initiative einer wohltätigen Persönlichkeit zu verdanken, die Ende des 19. Jahrhunderts im Geiste der Humaniät und in christlichem Sinn handelte. Von der Krankenstube über das Krankenasyl und den ersten eigentlichen Spitalbau von 1910 bis zum modernen Regionalspital vergingen über 100 Jahre.[1]

Von der Weberei zum City Center[Bearbeiten]

An dieser Stelle produzierte der Gründer der AG Weberei Wetzikon Jakob Gut seit 1916 in den umgebauten Fabrikanlagen der ehemaligen Seidenweberei Spörri Leinen- und Baumwollgewebe für gute Bettuchstoffe sowie Tisch- und Küchenwäsche. 1970 musste das Industrieensemble dem Einkaufzentrum Trompete, dem heutigen City Center weichen.[1]

Sternblöcke[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren wurde der Teich aufgefüllt und das Land mit sternförmigen Wohnbauten überbaut. Neben den für die Zeit typischen eingeschossigen Ladenvorbauten, bildete an städtebaulich prominenter Lage ein markanter, eingeschossiger Pavillon, der erste Migros-Bau in Wetzikon, den Auftakt zur Überbauung. An seiner Stelle steht heute das faszinierende Glasmosaik-Gebäude der GKS Architekten+Partner AG aus Luzern, das 2010 mit dem Architekturpreis ausgezeichnet wurde.[1]

Die Reformierte Kirche mitten im Dorf[Bearbeiten]

Die reformierte Kirche wurde 1895-1897 vom bekannten Basler Architekten Paul Reber nach einem neuen Konzept für den reformierten Kirchenbau in aufwändiger Neugotik erstellt. Reber gehört zu den bedeutendsten Schweizer Architekten des ausgehenden 19. Jahrhunderts.[1]

Schloss Wetzikon[Bearbeiten]

Der markante Schlossbau, der Sitz der Gerichtsherren von Wetzikon, entwickelte sich aus einer mittelalterlichen Burganlage, die mit einem Wassergraben, der heute noch zu erkennen ist, umgeben war. Er präsentiert sich heute als spätgotisches Wohngebäude. Vorgelagert sind das ehemalige Salzhaus und der ehemalige Lehenshof.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 Die Texte stammen von der Kulturdetektive GmbH, www.kulturdetektive.ch