Kunsteisbahn

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Allgemeine Informationen[Bearbeiten]

Kunsteisbahn Wetzikon, 2011

1957 Im Winter erscheint ein Inserat im Freisinnigen, das Gleichgesinnte auffordert, an der Verwirklichung des Baues einer Kunsteisbahn mitzuhelfen.[1]

1958 Im Frühjahr kommt es zur Gründung eines Initativkomitees «Pro Kunsteisbahn», das dem Architekten Walter Homberger aus Affoltern a.A. den Auftrag erteilt, ein Projekt zu verfassen und ein Modell erstellen zu lassen.[1]

Modell Walter Homberger, 1959

1959 Am 23. Mai wird im Ochsen die Kunsteisbahn-Genossenschaft Wetzikon gegründet.[2]. Am 6. Dezember stimmen an der Urne 1231 Ja-Stimmen gegenüber 789 Nein-Stimmen (Stimmbeteiligung 79.3 Prozent) einem geforderten Kredit über 250'000 Franken und der Übernahme einer jährlichen Defizitgarantie mit Maximalbetrag von 20'000 Franken zu.[3].

1960 Am 29. April schreitet man im Restaurant Schweizerhof zur Gründung der Kunsteisbahn Wetzikon AG (KEW).[1] Baubeginn erfolgt am 30. Mai: Die ersten Beggerlöffel graben sich in die Erde des Mattackers ein. Nach sechsmonatiger Bauzeit kann die Kunsteisbahn am 20. November provisorisch dem Betrieb übergeben werden. Die Planung sieht vor eine Fläche von total 3230 Quadratmeter Eis in drei Felder einzuteilen: 1. Feld für allgemeinen Eislauf und Eishockey 60x30 m, 2. Feld für allgemeinen Lauf und Kunstlauf 50x20 m, 3. Feld für allgemeinen Lauf und Curling 45,50x10 m. Die Baukosten sind auf 1,3 Millionen budgetiert.

Modell Walter Homberger, 1959

1961 An der Urnenabstimmung 21./22. Oktober verwirft der Wetziker Souverän, weitere 200'000 Franken in die Kunsteisbahn zu schiessen.[4] Über die Sommermonate werden die Hochbauten um die Eisbahn abgeschlossen. Unter anderem entsteht ein Restaurant und auf dem Hockeyfeld eine Rollschuhpiste, die ihre Bewährung anlässlich eines Rollschumeetings vom 16. September abgelegt hat. Am 24./25. Juni führt der Arbeiter-Touring-Bund die schweizerische Saalsport-Meisterschaft und die Bundessternfahrt der Motorfahrer durch. Der einheimische Turnverein organisiert am 2. September das 2. Zürcher Oberländer Turnerfestival auf dem Kunsteisbahn-Areal.[1] Im November findet das erste Eisstock-Turnier auf der offenen Eisbahn statt.[5].

1963 Zeichnet die Gemeinde Wetzikon zum ersten Mal Aktien der Kunsteisbahn Wetzikon AG. Dem entsprechenden Gemeindebeitrages stimmen die Wetziker am 23./24. Februar (1031 Ja, 914 Nein) zu. Dadurch erhält die Gemeinde durch die Einsitznahme in den Verwaltungsrat vermehrtes Mitspracherecht.[6]

60er Jahre

1965 Kauft die KEW mit Hilfe eines an der Gemeindeversammlung zugestimmten zinslosen Darlehens eine ZAMBONI-Eisaufbereitungsmaschine. An der gleichen Versammlung wird der der Gemeinde bis anhin zu entrichtende jährliche Baurechtszins von 4'600 Franken abgeschafft.[7]

Luftaufnahme Sportanlagen

1967 Die jährliche Defizitgarantie von 20'000 Franken kann mit den wachsenden Ausgaben nicht mehr Schritt halten, trotz aller Anstrengungen durch neue Einnahmequellen wie die Vermietung von Räumen, der Minigolfanlage, die Erhöhung der Eintrittspreise und die Benutzungspauschale der Kantonsschule. Finanziell fällt besonders die ungenügende Abschreibung der Anlage ins Gewicht.

Ansichtskarte 1970

1970 Nach einer Rekord-Bauzeit von eineinhalb Monaten nimmt man mit der Vollendung der Dachkonstruktion ein imposantes Bauwerk in Betrieb.[8]

undatiert

1971/1972 Am 2. Januar spielen zwei Eishockey-Mannschaften aus den Oststaaten, nämlich Dukla Jihlava (Tschechischer Meister) gegen SCA Leningrad aus der Sowjetunion im Wetziker Eisstadion. «Eine Sensation für Wetzikon!», schreibt der damalige Chronikschreiber Reinhard Koch.[9]

In der Kunsteisbahn finden auch Rock-Pop-Konzerte statt. Am 29. Mai 1971 spielen Deep Purple in Wetzikon. Es war das 2. Rockkonzert in der Schweiz nach dem skandalösen Konzert der Rolling Stones im Hallenstadion. Später gastierten noch The Who, Frank Zappa und Eric Clapton in Wetzikon.[10]

The Who spielen 1972 in Wetzikon

1973 Der Schweizerische Rollsport-Verband organisiert die Schweizer Jugend- und Schweizer Meisterschaften im Rollkunstlauf in Wetzikon.[11]

1976 «Droht der Kunsteisbahn Konkurs?», titelt der Zürcher Oberländer in der Ausgabe vom 6. Oktober, da die Kunsteisbahn AG von argen finanziellen Sorgen geplant wird. Am 8. Oktober übernimmt die Gemeindeversammlung den Passivsaldo von 112'275 Franken und leistet eine Defizitgarantie von 100'000 Franken für das Jahr 1977.[12]

1977 Tritt der Gemeinderat in Sachen Kunsteisbahn gleich dreimal vor das Stimmvolk. Im März wird der erste Sanierungsvorschlag mit 2135 Ja zu 2441 Nein abgelehnt. Im Juni stimmt die Gemeindeversammlung einem Betriebsbeitrag von 100'000 Franken zu, und am 4. Dezember kommt ein entschlackter Sanierungsvorschlag über einen Kredit von 810'000 Franken an die Urne, der angenommen (2059 Ja, 1897 Nein) wird.

An einem Orientierungsabend zeigt der Architekt Max Egger die nötigen Sanierungsmassnahmen im Detail auf. Auf eine Bankbürgschaft und die Übernahme des Daches durch die Gemeinde wird verzichtet. Als weitere Sanierungsmassnahme erfolgt die Reduzierung des bisherigen Aktienkapitals von 700'000 Franken um 90 Prozent auf 70'000 Franken. Durch die Zeichnung von 630'000 Franken an Namensaktien wird die Politische Gemeinde Mehrheitsaktionärin.[13]

1978 Nach den Umbau- und Sanierungsarbeiten öffnet die Kunsteisbahn am 2. September ihre Pforten für den allgemeinen Eislauf.[14]

1979 Im Eisstadion hängt jetzt eine moderne elektronische Anzeigetafel.[15]

1980 Die Sanierung scheint sich in jeder Hinsicht bewährt zu haben. An der 20. ordentlich durchgeführten Generalversammlung werden alle Geschäfte einstimmig angenommen und es wird eine ausgeglichene Jahresrechnung präsentiert.[16]

1986 Im Sommer realisiert die Kunsteisbahn Wetzikon AG ein neues Energiekonzept. Für die Erneurung der Heizung und des Öltankes, die teilweise Verbesserung der Sanitäranlagen, die Kaminsanierung, die Installation einer Wärmerückgewinnungsanlage sowie eines Alarmsystems, welches das Auslaufen von Kühlmittel (Ammoniak) anzeigt, werden insgesamt 231'500 Franken investiert.[17]

1990 Auf der Eisfläche läuft eine Lightshow mit Discosound. Im Zürcher Oberland ist es die erste Eis-Disco-Veranstaltung.[18]

1992 Mit zunehmenden Alterserscheinungen drängt sich eine Sanierung auf. Die Gemeinde bewilligt 300'000 Franken für die Ausarbeitung eines umfassendes Sanierungskonzeptes.[19]

1995 Am 25. Juni sagen die Stimmberechtigen deutlich Ja (2862 Ja, 1567 Nein, Stimmbeteiligung 42,3 Prozent) zu 5,9 Millionen Franken Sanierungskosten, um die alte Anlage abreissen und sie durch einen Neubau ersetzen zu können.[20]

Am 20. Juli reicht die Demokratische Partei eine Einzelinitiative ein, die verlangt die Gemeinde solle die Aktiven und Passiven der Kunsteisbahn AG übernehmen, indem sie mit ihrer Mehrheitsbeteiligung die Auflösung der Gesellschaft bewirke.[21]

1996 Im März beginnt der Abbruch der oberirdischen Anlagen. Die Eisbahn soll im Oktober wieder eröffnet werden können.[22] Die Umbauarbeiten erhalten eine neue Dimension, so soll die Halle nicht nur renoviert werden, sondern praktisch abgerissen und völlig neu konzipiert wieder aufgebaut werden.[23] Die am 9. Juni zur Abstimmung kommende Einzelinitiative Elmar Weilenmann und Mitzunterzeichner für die Auflösung der Aktiengesellschaft Kunsteisbahn wird wuchtig verworfen (2'017 Nein, 968 Ja).[24]

Sanierung, Abbruch der Eishalle 1996

1997 Mit einem dreitägigen Fest Mitte Juni wird die neue Kunsteisbahn eingeweiht.[25]

1998 Die Parkplatzsanierung für 980'000 Franken an der Juniabstimmung mit Einführung von Parkplatzgebühren wird abgelehnt.[26]

1999 Die Betriebsrechnung resultiert mit einem Verlust von 223'000 Franken.[27]

2000 Die finanzielle Lage ist höchst kritisch - eine Zürcher Oberland Eishockey AG soll den Betrieb der Anlage weiterführen.[28]

Am 26. November wird mit 2516 Ja gegen 1651 Nein dem Verkauf der Kunsteisbahn an die Zürcher Oberland Eishockey AG (ZOE) mittels Urnengang zugestimmt. Investor ist Johann Locher.[29]

2001 Am 24. Januar ist das Wetziker Abstimmungsresultat angeblich wegen «technischen Problemen» und «unvorhergesehenen, vorübergehenden Liquiditätsengpässen» immer noch nicht umgesetzt.[30]

Am 21. Februar platzt nach einem letzten Ultimatum das Kunsteisbahngeschäft, da die Zürcher Oberland Eishockey AG das versprochene Geld für den Aktienkauf nicht beibringen kann. Trotz aller Schwierigkeiten läuft der Betrieb weiter, und auch das Sommer-Eis ist gewährleistet.[31]

23. September - die Kunsteisbahn ist gerettet. 57,5 Prozent der Stimmberechtigten sagen Ja zur 4,89-Millionen-Kreditvorlage und entscheiden sich damit für das Konzept «Sport und Freizeit». Die Kunsteisbahn AG wird aufgelöst und die Eisbahn als Sportstätte in das Gemeindeeigentum überführt.[32]

«Beerdigung» ist angezeigt an der letzten ausserordentlichen GV der Kunsteisbahn Wetzikon AG am 18. Dezember. Die Kunsteisbahn gehört jetzt in das Sportstättenkonzept der Gemeinde Wetzikon.[33]

2005 Vom 4. bis 7. Mai und vom 13. bis 15. Mai findet zum 5. Mal das Wetziker Pub Festival in der Wetziker Eishalle statt.[34] Eine neue Lichtsignalanlage bei der Busstation Stadion bei der Eishalle sorgt dafür, dass die Busse schneller den Bahnhof erreichen.[35]

Neue Lichtsignalanlage bei der Eishalle 2005

2007 Zwischen dem 19. und 22. Juli findet auf dem Gelände Eishalle Wetzikon zum ersten Mal ein Reitturnier mit Messe und Unterhaltung statt. (Quelle Sonderbeilage «extravaganza pur»).

2009 Am 21. Mai spielt Manfred Mann's Earth Band in der Eishalle.[36] Der Souverän hat anlässlich der Urnenabstimmung vom 17. Mai einen Kredit von total 15,5 Mio. Franken für die Sanierung und Ausbau der Sportanlagen Meierwiesen bewilligt. In diesem Kredit ist auch die Sanierung der Kälteerzeugungsanlage der Kunsteisbahn mit einem Investitionsvolumen von rund 2,5 Mio. Franken enthalten.[37]

Oktober 2011

2010 Die rund 200'000 Franken teure Eismaschine «WM Evolution» ersetzt die rund zwanzigjährige Eismaschine.[38] Am 18. Dezember rockt die wiedervereinigte Band Krokus in der Eishalle. Als Vorband tritt Uriah Heep auf.[39] Hallenbäder der Region spannen mit der Kunsteisbahn zusammen. Wer ein Abo kauft, profitiert von vergünstigten Einzeleintritten.[40]

2012 Vom 19. März bis 29. Mai werden die beiden Kälteerzeugungsanlagen ersetzt. Deshalb steht in dieser Zeit für den öffentlichen Eislauf kein Eis zur Verfügung. (Quelle Medienmitteilung aus dem Stadthaus Wetzikon 16.3.2012)


Literatur[Bearbeiten]

  • Heimatspiegel 1/Januar 1991 Eisstockschiessen im Zürcher Oberland
  • Heimatspiegel 1962 Kunsteisbahn Wetzikon
  • Beilage zum Zürcher Oberländer, Mittwoch, 15. November 1960


Audio/Filme[Bearbeiten]






Fotos[Bearbeiten]


Adresse[Bearbeiten]


Akten Archiv Ortsgeschichte[Bearbeiten]

  • 4 Hefte mit Zeitungsausschnitten
  • Weisungen von Gemeindeabstimmungen Mai 1995 / Oktober 1977 / Februar 1977 / Januar 1963 / September 1961 / November 1959
  • Zürcher Oberländer Sonderbeilage 15. November 1960
  • Prospekte über das Bauvorhaben 1959
  • Heimatspiegel Nr. 1 / 1991 Eisstockschiessen Zürcher Oberland
  • Fotos Kunsteisbahn vor der Überdachung 1970
  • Statuten der Kunsteisbahn Wetzikon AG
  • Bericht über die Baukosten der Kunsteisbahn
  • Geschäftsberichte und Korrespondenz der Kunsteisbahn AG


Weblinks[Bearbeiten]

Kunsteisbahn + Areal Mattacker aufgerufen am 16.August 2017.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Beilage Zürcher Oberländer, 15.11.1960
  2. Prospekt Kunst Eisbahn Wetzikon, 1959
  3. Weisung Gemeindeabstimmung vom 6. Dezember 1959
  4. Weisung Gemeindeabstimmung vom 21./22. Oktober 1961
  5. Heimatspiegel 1/1991
  6. Weisung Gemeindeabstimmung vom 23./24. Februar 1963
  7. Fünfter Geschäftsbericht des Verwaltungsrates 1964/1965
  8. ZO 25.8.1970
  9. Chronik von Wetzikon 1971
  10. Medienberichte im Archiv Ortsgeschichte
  11. ZO 4.9.1973
  12. ZO 18.12.1976
  13. Weisung Gemeindeabstimmung vom 4. Dezember 1977
  14. ZO 1.9.1978
  15. ZO Februar 1979
  16. ZO 13.6.1980
  17. ZO 18.6.1987
  18. ZO 3.1.1990
  19. ZO 26.6.1992
  20. Weisung Gemeindeabstimmung vom 25. Juni 1995
  21. ZO 26.7.1995
  22. ZO 14.3.1996
  23. ZO April 1996
  24. Weisung Gemeindeabstimmung vom 9. Juni 1996
  25. ZO 16.6.1997
  26. ZO 8.6.1998
  27. ZO 12.7.1999
  28. ZO 29.9.2000
  29. ZO 2.11.2000 40jährige Leidensgeschichte
  30. ZO 17.2.2001
  31. ZO 21.2.2001
  32. ZO 24.9.2001
  33. ZO 20.12.2001
  34. ZO 28.4.2005
  35. ZO 1.9.2005
  36. Tages-Anzeiger 12.5.2009 und ZO 23.5.2009
  37. Medieninfo aus dem Stadthaus Wetzikon, 6.11.2009
  38. regio 28.1.2010
  39. Inserat ZO 22.9.2010
  40. ZO 4.10.2010
  • ZO = Zürcher Oberländer, lokale Tageszeitung im Zürcher Oberland