Junkernhaus

Aus Ortsarchiv
Share/Save/Bookmark
Wechseln zu: Navigation, Suche
2010

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Das Junkernhaus ist als ehemaliger Sitz der Gerichtsherren von Kempten historisch von grosser Bedeutung. Gestützt auf eine Passage im Geschichtsbuch von Felix Meier auf Seite 74/75 und 143, nahm man an, dass das Junkernhaus, zeitgenössisch «Unterhaus» genannt, 1521 kurz nach dem Brand der Burg Kempten erbaut worden ist. Neuere Recherchen ergaben jedoch, dass der Bau wohl eher im Zusammenhang mit einer Erbteilung zusammenhängt. 1553 stirbt der Gerichtsherr Erhard Blarer und die Gerichtsherrschaft Kempten wird unter den Söhnen Diethelm und Georg aufgeteilt. Um die gleiche Zeit wurde ein zweites Kemptner Gerichtshaus, das sogenannte «Oberhaus» in der Nähe des Rosenheims, Tösstalstrasse 38, gebaut. Dazu liefert eine 1992 vorgenommene Altersbestimmung des Bauholzes eine Fällzeit im Winter 1553/54. Da man zu dieser Zeit das Bauholz umgehend verarbeitete, muss das Junkernhaus in seiner ursprünglichen Form als Vielzweckbauernhaus im Jahr 1554 erstellt worden sein. Als drittes Gerichtshaus wurde 1727 das Neuhaus, Walenbachstrasse 15, erbaut.[1]

Aus der Fotochronik im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon, undatiert

Geschichte[Bearbeiten]

1554 Erstellungsjahr. Das Haus wird als Bauernhaus mit Wohnung, Tenn und Stall unter gleichem Dach erbaut.[1]

1584 Wird die Dachkonstruktion erneuert: Das schwach geneigte Schindeldach wird durch ein steiles Ziegeldach ersetzt.[1]

Lage der drei Kemptner Gerichtshäuser auf dem geometrischen Plan von 1820.

Vor 1743 Umnutzung des Ökonomieteils, mit Ausnahme des Stalls, zu Wohnzwecken. Die Holzfassade wird teils durch Mauerwerk ersetzt, teils durch Fachwerk.[1]

1804 Nach dem Ableben von Hans Schmid, dem letzten Gerichtsherrn, wird das Haus samt Umschwung verkauft.[2]

1877 Umbau des bisherigen Wirtschaftsteiles in Wohnungen, Anbau eines hölzernen Abortanbaus.[2]

1875 Die Schule Kempten wird wegen der grossen Schülerzahl geteilt in zwei Klassen, eine Elementar- und eine Realschulabteilung. Neben dem im Baumgarten des Heinrich Schaufelberger erbauten Schulhaus, Tösstalstrasse 31, muss nun im Hause des Johannes Weber, Wegknecht, dem ehemaligen Junkernsitze ein Zimmer gemietet und als Schulstube eingerichtet werden. Die Bezirksschulpflege genehmigt das Lokal als provisorisches Schulzimmer.[3]

1979 Fritz Ehry unternimmt 1974 den Versuch den Gemeinderat zu überzeugen, das Junkernhaus zu kaufen um das Ortsmuseum dort unterzubringen.[4]Fünf Jahre später wagt der Quartierverein Kempten einen neuen Vorstoss und gibt bei der Denkmalpflege ein Gutachten in Auftrag. Neu soll neben dem Museum auch die Chronikstube einziehen.[5]Die Kommission der Denkmalpflege Kanton Zürich kommt zum Schluss: Das Junkernhaus in Kempten ist ein Schutzobjekt von überkommunaler Bedeutung. Es spiegelt die Entwicklung einer Region in geschichtlicher, wirtschaftlicher, sozialer und baukünstlerischer Hinsicht und zwar vom frühen 16. Jahrhundert bin in die Gegenwart. Zusammen mit der Scheune bildet es einen wichtigen Bestandteil des Kemptner Ortsbildes.[2]

Zeichnung von Dr. Jakob Zollinger, Chronist Gossau ZH, 1992

1991 Das Junkernhaus wird einer Innen- und Aussenrenovation unterzogen.[6]

Glockenzug beim Junkernhaus, 1974

Nebengebäude[Bearbeiten]

Bis 1963 stehen neben dem Junkernhaus einige Nebengebäude, die zusammen einen Hofraum bilden (vgl. Stich David Herrliberger). Schon 1875 wird ein Waschhaus abgebrochen. Wohl gleichzeitig baut man die in gleicher Firstrichtung mit dem Haupthaus stehende Scheune in ein Wohnhaus um. Dieses Haus, Tösstalstrasse 20, wird 1963 abgebrochen. An der Stelle wird ein Hochhaus, Tösstalstrasse 28, gebaut. Beim Aushub entdeckt Lehrer Fritz Hürlimann römische Mauerreste. Die Rettungsgrabung der Zürcher Denkmalpflege dauert vom 30. Oktober bis 10. November. Gefunden werden Mauerfundamente eines römischen Ökonomiegebäudes.[7][8]

Tafel Kulturgüterschutz[Bearbeiten]

Kupferstich David Herrliberger[Bearbeiten]

Zum Herrliberger Stich: Der Stich von David Herrliberger, zeigt einen grossen, quer zur sacht ansteigenden Strasse gestellten Bau mit einem Krüppelwalmdach. Es handelt sich um einen Ständerbau, der teils mit Bohlen und teils mit Riegelwerk ausgefacht ist. Der südliche, als Wohnhaus genutzte Hausteil ist als Bohlenständerbau, der nördliche Ökonomieteil als Fachwerkbau konstruiert. Es wurde angenommen, dass die Abbildung auf dem Herrliberger Stich einen Vorgängerbau des heutigen (1981) Junkernhaus darstellt und nichts mit dem heutigen (1981) Bau gemeinsam hat. Max Siegrist konnte aber 1981 nachweisen, dass es sich beim Junkernhaus um das im 16. Jh. erstellte Herrschaftshaus des Gerichtsherrn und den auf dem Herrliberger Stich abgebildeten Bau handelt.[9]

Literatur[Bearbeiten]


Ansichtskarten[Bearbeiten]

Fotos[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Innenaufnahmen[Bearbeiten]

Scheune[Bearbeiten]

Römische Mauerreste, 1963[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Beat Frei, Wetzikon eine Geschichte, Seite 68-76
  2. 2,0 2,1 2,2 Gutachten Nr. 72-11/1979 der Denkmalpflege-Kommission des Kantons Zürich, 14. Juni 1979
  3. 1976 verfasstes Papier Schulhausbau in Kempten 1877-1882, gelesen aus Protokollen der Baukommission, von Schulgemeindsversammlungen, aus Prozessakten, Verträgen, Abrechnungen, sowie Felix Meier: Die Geschichte der Gemeinde Wetzikon
  4. Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates vom 23. Januar 1974
  5. ZO 30. März 1979
  6. ZO 16. September 1991
  7. Dritter Bericht Zürcher Denkmalpflege, 1962/1963
  8. Der Freisinnige, November 1963
  9. Inventar Bestandesaufnahme Denkmalpflege Kanton Zürich, November 1981, I. Hermann